[Rezension] Die Highlanderin | Eva Fellner

Titel:Die Highlanderin
Autorin:Eva Fellner
Format:Taschenbuch
Preis:15,00 €
Seitenzahl:505
Verlag:Aufbau Verlag
ISBN:978-3-7466-3829-4
Bewertung:2 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Bei einem Schiffsunglück gerät das junge Mädchen Enja 1289 von Island in die Fänge von Menschenhändlern. Sie wird in den Orient verschleppt und dort zur Assassinin ausgebildet. Doch je älter sie wird, desto dringender möchte sie ihre Wurzeln erforschen und so findet sie ihren Weg nach Schottland. Dort tobt bereits ein erbitterter Krieg zwischen den Clans und den Engländern.
Als Enja bei einem Angriff schwer verletzt wird, rettet sie James Douglas, ein schottischer Clanchef. Er fasziniert Enja von Beginn an und als er in Gefangenschaft gerät setzt sie alles in Bewegung, um ihn zu befreien. Ganz egal, wen sie sich dabei zum Feind macht. Und wenn es der englische König ist..


Dieser historische Roman verliert keine Zeit. Das erste Kapitel ist voller Spannung und Action, denn wir verfolgen Enja während eines Mordanschlags auf einen englischen Baron. Auf der einen Seite fand ich diesen Einstieg sehr passend, denn es wurde direkt Spannung vermittelt. Auf der anderen Seite hatte ich aber direkt so meine Schwierigkeiten. Normalerweise kann ich mich recht schnell auf neue Erzählweisen und Geschichten einlassen. Hier ist es mir doch etwas schwerer gefallen, was eventuell an den recht verschachtelten Sätzen der Autorin liegt. Alles wird ausschweifend und mit vielen Worten erzählt. Gleichzeitigt wechselt die Erzählperspektive innerhalb des ersten Kapitels bereits drei Mal. Es kommen Nebenfiguren, sowie Enja selbst zu Wort. Das hat es für mich teilweise wirklich schwer gemacht der Handlung zu folgen, denn dieses Wechselspiel zieht sich durch den gesamten Roman.

Es gibt zwei Haupterzählstränge. In dem einen befinden wir uns 1307 in Schottland. Dort ist die erwachsene Enja mitten in den schottischen Unabhängigkeitskrieg verwickelt und kämpft um einen friedlichen Ort zum Leben für sich und ihre Lieben. Ihre Neutralität, die sie an der schottisch-englischen Grenze hatte, gibt sie aber auf, nachdem sie sich in den schottischen Clanführer James Douglas verliebt hat. In dem anderen Erzählstrang, welcher 1289 in Island beginnt, begleiten wir Enja als Kind und sehen ihre Entwicklung zu der Frau, die sie 1307 in Schottland dann ist. Sie durchläuft an unterschiedlichen Stationen verschiedene Ausbildungen und den Gedanken dahinter konnte ich sehr gut verstehen. So wird nach und nach das Geheimnis um Enja mit ihrem Sklaventattoo gelüftet. Doch gleichzeitig wirkt es teilweise etwas wirr und zu viel. Noch dazu halte ich die gesamte Figur der Enja für sehr unrealistisch und historisch nicht haltbar, weshalb ich auch meine Schwierigkeiten mit ihr als Heldin hatte. Ich lese normalerweise eher klassische historische Romane, habe es mit diesem Buch aber mal auf einen Umweg gewagt, der eben nur zum Teil gelungen ist.

Ich muss zugeben, dass mir eine chronologische Erzählweise wohl besser gefallen hätte. Ich fand die Rückblenden zur jungen Enja deutlich spannender und ich konnte mich irgendwie besser in sie hineinversetzen, als in die erwachsene Enja. Dort haben mir einfach noch viele Informationen gefehlt, die ich in ihrer Vergangenheit gesucht habe. Durch das abwechselnde Erzählen wurde ich immer und immer wieder herausgerissen, konnte meine Überlegungen nicht zu Ende führen und musste mich dann wieder auf die neue Situation einlassen. Nicht, dass dieser Erzählstrang nicht auch seine Vorzüge hätte, doch ich habe mich sehr viel lieber im Orient bewegt, um herauszufinden wie Enja zur Assassinin wurde. Was mich leider sehr gestört hat ist die Tatsache, dass ich keine wirkliche emotionale Verbindung zu Enja aufbauen konnte. Sie ist so kühl und abgestumpft, dass ich sie nicht wirklich greifen konnte. Mir fehlten Einblicke in ihre Gefühlswelt. Letztlich hat sie immer wie eine starke und unerschütterliche Kriegerin agiert und nie hinter ihre Fassade blicken lassen. Auch nicht mich als Leserin. So wirkt sie auf mich als Charakter nicht rund genug, um wirklich mit ihr mitzufühlen, denn es gab nichts zu fühlen. Auch die Liebesgeschichte, die sich erst sehr spät und nur am Rande entwickelt hat da nicht geholfen.

Das größte Problem in diesem Buch war für mich aber die Fülle an Themen, die nacheinander abgehandelt werden. Es geht von Wikingern zum Orient über Harem zu Assassinen, dann in die Highlands und in den Krieg. Alles wird irgendwie angerissen aber nichts richtig auserzählt. Wie bereits weiter oben erwähnt hätte mir hier eine ausführlichere chronologische Erzählweise besser gefallen, denn dann wäre die Fülle an Möglichkeiten vielleicht besser ausgeschöpft worden. So habe ich zwar bei der jungen Enja eine klare Intention der Autorin gespürt und erkannt: zu klären wie das kleine Mädchen zu einer unerschütterlichen Kriegerin wurde.
Doch bei dem Erzählstrang in Schottland war mir bis zum Ende hin nicht klar wohin die Reise eigentlich gehen soll. Es wirkte eher rastlos, ohne roten Faden und Anhaltspunkt, wohin sich Enja und ihre Geschichte wenden soll. Im letzten Drittel wirkt es sogar noch etwas zielloser und dann endet der Roman, für mich persönlich, doch etwas zu abrupt. Es gibt viel zu viele offene Fragen und auch der Erzählstrang in der Vergangenheit findet kein rundes Ende zum Beginn der Geschichte, sondern hört sozusagen einfach auf. Auch wenn ich den zweiten Teil bereits bereitliegen habe, so habe ich den Abschluss des Buches als nicht ganz rund empfunden, weil es teilweise wie abgewürgt bei mir ankam, um sicher zu gehen, dass genügend Stoff für einen zweiten Band da ist, woran ich nie wirklich gezweifelt habe.

Ich muss aber sagen, dass ich den Einfallsreichtum der Autorin wirklich toll finde, sie verstrickt verschiedene Themen ineinander, bringt Vorsehung, Glück, Kampfgeist aber auch Religion mit in ihren Roman und überlädt die Geschichte nicht mit historischen Fakten. Da ich aber für solche historische Einordnungen lebe, haben mir diese Fakten dann doch etwas gefehlt. Dies ist aber eben nicht der Anspruch der Autorin und das respektiere ich natürlich, denn diese Geschichte ist eine Geschichte und keine Nacherzählung des schottischen Unabhängigkeitskrieges. Alles in allem bin ich doch froh, dass ich Enja kennengelernt habe und bin gespannt was der zweite Teil für mich bereithält.

Fazit

„Die Highlanderin“ ist für mich eine sehr durchwachsene Geschichte, die zum Teil sehr temporeich durch Actionszenen geht und dabei doch recht unterhaltsam ist. Die Erzählweise ist etwas gewöhnungsbedürftig und die Zeitsprünge haben es mir schwer gemacht, mich richtig zu orientieren, dennoch fand ich vor allem den Erzählstrang aus der Vergangenheit der Protagonistin Enja sehr spannend und interessant. Wer einen klassischen historischen Roman sucht, ist mit diesem Buch nicht unbedingt gut bedient, wer mal etwas anderes lesen möchte, kann sich diese Geschichte gerne einmal genauer anschauen.

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