[Rezension] Der Zirkel | Lizzie Fry

Titel:Der Zirkel
Autorin:Lizzie Fry
Übersetzerin:Beate Brammertz
Format:Taschenbuch
Preis:14,99 €
Seitenzahl:496 Seiten
Verlag:Heyne
ISBN:978-3-453-32121-2
Bewertung:2 Sterne

Werbung, Rezensionsexemplar

Inhalt

Seit vielen Jahrhunderten vererben Hexen ihre Kräfte an ihre Töchter, denn Magie ist real. Sie nutzen ihre Kräfte, um Menschen zu helfen, sie zu heilen, Gutes zu tun. Als durch ein Attentat in den USA die Präsidentin stirbt und jemand Neues die Macht ergreift, ist nichts mehr, wie es vorher war. Der neue Präsident betrachtet Magie als Gefahr. Wer Magie praktiziert oder jemanden schützt, der dies tut, muss ins Gefängnis. Natürlich nur zum eigenen Schutz. Plötzlich stehen Frauen auf der ganzen Welt unter Generalverdacht. Die Spezialeinheit des Geheimdienstes beginnt nun eine neue Hexenjagd rund um den Globus. Bis eine junge Frau in England ihre Macht entdeckt und damit neue Hoffnung für alle Hexen bedeutet…


Von dieser Geschichte habe ich mir sehr viel versprochen. Ich liebe Magie und alles über Hexen. Es ist so spannend darüber zu lesen, wie Kräfte sich entwickeln, wie sie funktionieren und natürlich auch, wie Magie eingesetzt werden kann. Diese Neugierde wurde bei „Der Zirkel“ in jedem Fall befriedigt. Doch die Handlung an sich konnte mich nicht so abholen wie ich es erhofft hatte.

Eigentlich nimmt sich die Autorin hier ein sehr wichtiges und relevantes Thema. Es geht hauptsächlich um Sexismus und Feminismus. Frauen stehen Männern gegenüber. Werden unterdrückt, klein gehalten, für dumm verkauft und, wer nicht der Norm entspricht, eingesperrt. Die magiebegabten Frauen sind gezwungen sich zu verstecken. Ihre Kräfte zu unterdrücken und inständig zu hoffen, dass ihre Töchter keine Macht erben.
Das Magiesystem ist recht komplex, ich breche es dennoch kurz herunter, um meine Rezension verständlich zu machen: es gibt stärkere, angeborene Macht, wie die Elementarmagie. Diese erlaubt es einer Frau über ein Element zu herrschen. Die Kristallmagie hängt mit der Macht von Kristallen zusammen und kann im Körper einer Frau gebündelt werden und letztlich die Küchenmagie, die im Prinzip jede Frau erlernen und durchführen kann.
Diejenigen, mit viel Macht, werden als größte Bedrohung wahrgenommen. Das bedeutet, dass vor allem zu Beginn der Amtszeit des Präsidenten jagt auf Elementare gemacht wurde. Ihre Macht gilt als unkontrollierbar und überaus gefährlich. Sie müssen sich am besten verstecken, denn auf Elementare wartet nur eines: der Tod.
Für die Kristallhexen sieht es jedoch ähnlich finster aus. Ihre Macht lässt sich durch ein sogenanntes Halo kontrollieren, das den Frauen auf den Kopf gesetzt wird. Sie werden dadurch völlig willenlos und können mit Elektroschocks auch komplett außer Gefecht und gefoltert werden. Wird eine Kristallhexe identifiziert kann sie in die „Engelshöhlen“ gebracht werden. Für die Bevölkerung eine Art Besserungsanstalt, um die Magie aus den Frauen hinauszutreiben. Was dort tatsächlich gemacht wird… man kann es sich denken.
Letztlich sind nur diejenigen einigermaßen sicher, die still und heimlich etwas Küchenmagie praktizieren. Doch auch dies birgt Risiken, wie in „Der Zirkel“ bald klar wird.

Ich denke es wurde bereits jetzt deutlich, in welch schwieriger gesellschaftlicher und politischer Lage man sich im Buch befindet. Nicht nur, dass ausschließlich Frauen Hexen sein können. Es gibt in Machtpositionen auch ausschließlich Männer. Frauen werden, wenn sie keine Gefahr darstellen, als schwach empfunden. Sie sind dazu da, ihren Mann glücklich zu machen und das war es auch schon. Zu viel mehr reicht es, mal wieder, nicht. Männer und Frauen stehen also nicht unbedingt auf derselben Seite, was in diesem Buch auch teilweise auf grausame Weise angesprochen wird.

In der Geschichte folgen wir hauptsächlich zwei Protagonistinnen. Adelita ist eine Kristallhexe, die ihre Macht erst sehr spät entdeckt. Sie weiß selbst nicht so genau, wie damit umgehen muss und kann. Unterstützung erhält sie von einem Ex-Senteniel, der die Seiten gewechselt hat und nun gemeinsam mit den Hexen kämpfen will. Er hat bei einem groß angelegten Gefängnisausbruch geholfen und Adelita gerettet, die als Legacy (von Hexen abstammende Nicht-Hexen) ebenfalls gefangen genommen wurde. Dass sie selbst über Magie verfügt, wusste Adelita bis zu dem Ausbruch nicht und nun bleibt ihr nichts anderes übrig als gemeinsam mit Ethan zu flüchten. Zwischen den beiden hat sich etwas entwickelt, das ich als Leserin überhaupt nicht greifen konnte. Aus der anfänglichen Feindschaft und dem Misstrauen wurde plötzlich eine sexuelle Sache, die die beiden völlig zu überwältigen droht. Ich konnte gar nicht nachempfinden, was da wirklich passiert ist und habe deshalb auch nie so wirklich mitgefühlt, wenn es um deren Beziehung ging.

Fast zeitlich mit der Flucht von Adelita und Ethan explodiert in Exeter praktisch ein Haus. Die junge Chloe hat völlig unerwartet für sie, ihre große Macht entfesselt. Sie kann überhaupt nicht damit umgehen, hat es nie gelernt, und durch die große Macht, die sie frei gesetzt hat, hat sie auch sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Ihr Vater wird von einer Nachbarin unterstützt, um sie zu retten. Die beiden sind nun ebenfalls, völlig kopflos, auf der Flucht.

Der Beginn der Geschichte war grandios. Zwischen aufrührerischen Reden des Präsidenten und den rasanten Erzählungen von Ada, Ethan, Chloe und ihrem Vater Daniel, kam unglaublich viel Spannung auf. Ich wollte unbedingt wissen, wie die Protagonisten aufeinander treffen und was dann geschehen wird. Ist Chloe wirklich so mächtig, wie alle vermuten? Wer kann ihr dann helfen, ihre Kräfte wirklich zu kontrollieren? Kann sie ein neues Zeitalter einläuten? Ist sie die Hoffnung, auf die alle versteckten Hexen gewartet haben? Das alles ist mir im Kopf herumgeschwirrt, während ich feststellen musste, dass mir niemand, außer Daniel, so wirklich sympathisch war. Chloe ist ein Teenager, der dieses Stereotype Verhalten an den Tag legt, wenn man an Teenager denkt, während sie immer mal wieder vor Macht zu explodieren droht. Als Charakter bekommt sie keinerlei Tiefe. Ich habe nicht die Chance sie kennenzulernen, weil ich absolut nichts über sie und ihre Innenwelt erfahre. Ihr passieren während der Geschichte so viele traumatische Dinge und ich spüre davon nichts. Letztendlich ist mir eigentlich völlig egal was mit ihr passiert und das ist immer problematisch. Schließlich lese ich Geschichten nicht nur der Handlung wegen, sondern auch wegen der Charaktere. Doch hier war mir eigentlich egal, was mit ihnen geschah und das haben die Charaktere selbst auch so gehandhabt. Wann immer etwas hätte Emotionen hervorrufen können, passierte bei mir einfach nichts, weil bei den Charakteren auch nichts geschah. Sie nehmen ohne großes Aufsehen hin, was geschieht und das wars auch schon. Das war unglaublich schade, denn meine Involviertheit hat dadurch zusätzlich noch gelitten.

Die einzelnen Handlungsstränge laufen nach und nach zusammen. Die vier treffen aufeinander, was zunächst wie Zufall wirkt, scheinbar aber doch irgendwie keiner ist. Die kopflose Reise bzw. Flucht scheint weiterhin ohne richtiges Ziel zu sein. Ich wusste bis zum Schluss nicht, was sie eigentlich genau machen und wieso sie von Ort zu Ort reisen. Alles ist übereilt, rasant und auf jeder Seite folgt eine Actionsszene auf die Nächste. Es war mir einfach zu viel und ohne roten Faden.
Wie am Ende alles auf den Höhepunkt zusteuert habe ich auf diese Weise zwar nicht vorhergesehen, doch das wäre auch gar nicht möglich gewesen. Es kam wie aus dem Nichts, durch eine Schlussfolgerung, die mir nicht einleuchtete. Gleichzeitig war der Höhepunkt noch nicht mal gekommen und ich hatte gerade so noch 30 Seiten des Buches übrig. Das hat mich mit Blick auf das Ende doch etwas frustriert, da vor allem der Anfang so ausführlich und genau beschrieben wurde und das Ende dann einfach so schnell wie möglich vorbeiging, ohne dass ich als Leserin dann wirklich wusste, was passiert ist. Alles steuert auf diesen einen Moment zu und ich weiß nicht, was geschehen ist. Das ist nicht gerade befriedigend. Ich hatte mir einfach sehr viel mehr erhofft und bin sehr ernüchternd zurückgelassen worden.

Fazit

Während der Anfang des Buches vor Spannung nur so gestrotzt hat, flachte diese dann im Verlauf der Geschichte immer weiter ab. Das Magiesystem ist so interessant und gut gestaltet, doch das gesamte Potential wurde, in meinen Augen, gar nicht ausgeschöpft. Die Charaktere blieben blass, eine Verbindung konnte ich einfach nicht aufbauen und letztlich war es mir dann irgendwie egal, was mit ihnen passiert. Mir fehlte auch irgendwann ein klarerer roter Faden, denn ich wusste bis zum Schluss nicht, wie die Charaktere da gelandet sind, wo sie dann waren. Auch das Ende an sich war wenig befriedigend und so bleibe ich ernüchtert zurück. Es war eine unterhaltsame Geschichte, konnte mich aber nicht begeistern.

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