[Rezension] Realm Breaker – Das Reich der Asche | Victoria Aveyard

Titel:Das Reich der Asche (Realm Breaker #1)
Autor:Victoria Aveyard
Übersetzer*innen:Michaela Link
Format:Hardcover
Preis:20,00 €
Seitenzahl:605 Seiten
Verlag:Penhaligon
ISBN:978-3-7645-3270-3
Bewertung:4 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Im Reich Allwacht macht sich eine unerklärliche Dunkelheit breit. Corayne an-Amarat kann es spüren, denn sie ist eine der letzten Überlebenden einer uralten Blutlinie. Sie scheint die einzige Hoffnung zu sein, die das Reich noch hat, bevor die Welt vollends zerstört wird. Gemeinsam mit sechs Gefährten, die genau wie sie, keine Helden sind, macht sich Corayne auf, um eine Armee aus Aschekriegern zu bekämpfen ohne zu wissen, wie ihr das gelingen soll…


Es ist schon eine ganze Weile her, als ich mir „Das Reich der Asche“ vorgemerkt habe. Der Klappentext hatte mich sofort von sich überzeugt und das Cover tat sein Übriges dazu. Die Geschichte klang nach genau dem High Fantasy Abenteuer, das ich gesucht habe und letztlich, habe ich irgendwie auch das bekommen, was ich mir wünschte. Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Penhaligon Verlag für das Rezensionsexemplar!

Dieses Buch braucht Zeit. Es ist mit knapp 600 Seiten zwar nicht dünn aber als erster Teil einer High Fantasy Trilogie habe ich nicht erwartet, dass Victoria Aveyard direkt mit der Tür ins Haus fällt. Ganz ruhig und langsam wurden die Charaktere nach und nach vorgestellt. Ihre Leben, vor ihrer gemeinsamen Reise, wurden kurz angeschnitten, man bekommt einen kleinen Einblick in ihre Gedanken und nach und nach gelingt es ein Gefühl für sie als Personen zu erhalten. Ich fand gerade diesen ruhigen Einstieg, gespickt mit kleinen Erklärungen, wohin die Reise gehen könnte, sehr spannend. Denn genau das macht die Geschichte für mich vor allem aus: die Dynamik der Charaktere.

Corayne ist die Hoffnung von ganz Allwacht. Sie ist die letzte bekannte Erbin einer Blutlinie, von der sie bis vor kurzem gar nichts wusste. Ihre Mutter ist eine erfolgreiche und gefährliche Piratin, die ihre Tochter jedoch nie mit auf See nahm. Und genau das ist es, was sich Corayne sehnlichst wünschte. Sie fühlt eine Unruhe, die immer stärker wurde. Wie eine Getriebene, sehnt sie sich danach, endlich Allwacht zu erkunden. All die wunderschönen und geheimnisvollen Orte kennenzulernen, die ihre Mutter seit jeher bereiste. Und Corayne wusste, dass sie ihre Arbeit an Land sehr gut machte. Sie half ihrer Mutter wo sie konnte, die Schmuggelware ungesehen an Land und unter die Leute zu bringen. Aber ihre Fähigkeiten auf See wären sicherlich noch wertvoller. Und doch: die Piratin enttäuschte Corayne jedes Mal aufs Neue, denn sie ließ ihre Tochter immer wieder zurück.
Corayne ist wohl so etwas die die typische Protagonistin einer solchen High Fantasy Reihe. Sie ist jung, unerfahren aber die Auserwählte. Sie weiß nichts über ihren Vater, nichts von seiner Blutlinie und wird dementsprechend überrascht, als sie von zwei Gefährten gefunden wird. Dennoch erkennt sie eine Chance, wenn sie sich ihr bietet: sie begleitet die beiden. Corayne zweifelt nicht daran, dass sie ihr die Wahrheit gesagt haben, sie scheint zu spüren, dass alles von ihr abhängt. Ich mag ihre entschlossene Art. Wie sie Dinge anpackt, wie sie vertraut und dennoch vorsichtig ist. Auch wenn Corayne etwas naiv und unbeholfen ist, so ist sie keinesfalls dumm. Ich bin sicher, dass sie, egal wie die Handlung auch ausgehen wird, vielleicht doch noch zu einer wahren Heldin werden könnte.

Domacridhan ist ein Ältester. Sein wahres zu Hause ist Glorian, eine Welt, die ganz anders als Allwacht funktioniert. In Allwacht selbst ist er ein Unsterblicher, denn die Waffen der Menschen können ihm nicht wirklich etwas anhaben. Er hat die Gefahr, die auf Allwacht zurollt, aus nächster Nähe gesehen. Er hat erkannt, was zu tun ist. Entgegen seiner Tante, der Königin seiner Enklave, die ihn angehalten hat, nichts zu tun, versucht er die Wacht zu schützen und macht sich auf die Suche nach der Erbin des Blutes.
Dom ist für mich eine Art Riesenbaby. Er ist Jahrhunderte alt, hat Kriege kommen und gehen sehen, hat menschliche Herrscher kommen und gehen sehen und weiß doch kaum etwas über die Welt, in der er lebt. In seiner Enklave hat er immer eher zurückgezogen gelebt, sich nicht darum gekümmert, was die Menschen tun. Das rächt sich nun, da er in dieser allzu menschlichen Welt irgendwie zurecht kommen muss. Seine große, muskulöse aber unfassbar auffällige Statur helfen ihm hierbei nicht, obwohl der Großteil der Menschen die Geschichten über Älteste als Märchen abtun. So lange wurden sie nicht gesehen, so lange haben sie sich nicht eingemischt. Ihn habe ich fast sofort in mein Herz geschlossen. Er ist nicht dumm aber manchmal naiv wie ein kleines Kind. Er findet sich nicht wirklich zurecht in der durchaus grausamen Welt der Menschen und jeden Konflikt mit Körperkraft zu lösen ist eben nicht Sinn der Sache. Ich hatte Spaß an ihm und rechne fast schon damit, dass mein Herz am Ende der Trilogie in tausend Teile zerspringen wird.

Sorasa ist eine Attentäterin der Gilde der Amhara. Sie wurde dazu ausgebildet effizient, schnell, rücksichtlos aber lautlos zu töten. Und die Amhara haben das Talent alles und jeden finden zu können. So treffen sich auch die Wege von Sorasa und Domacridhan, denn er braucht ihre Hilfe, um Corayne zu finden.
Sorasa und Dom sind wie Feuer und Wasser und ich habe jede Sekunde daran geliebt. Die beiden lassen kein gutes Haar aneinander, keifen sich ständig an und versuchen den jeweils anderen irgendwie schlecht zu machen. Einzig ein Ziel hält die beiden zusammen: Corayne um jeden Preis zu beschützen. Denn eines wurde sehr schnell deutlich: auch wenn Dom Sorasa eine unsäglich hohe Summe bezahlte, so glaubte sie dem Unsterblichen, dass Allwacht in Gefahr war. Sie vertraute darauf, dass er die Wahrheit sagte und traute somit auch ihren Instinkten.
Sorasa ist gewissenlos, kämpferisch, einfallsreich und hat eine sehr spitze Zunge. Sie ist mein liebster Charakter in dieser Geschichte gewesen, denn es gibt noch so unglaublich viel von ihr zu entdecken. Über die Gilde, in der sie gelebt hat, die Dinge, die ihr dort angetan aber auch gezeigt wurden. All die Geheimnisse die die Frau umgeben gibt es noch zu entschlüsseln und darauf freue ich mich sehr. Sorasas Art hat mich an eine düstere Inej aus „Six of Crows“ erinnert und das hat mir unglaublich gefallen. Sie ist dunkel, skrupellos aber kämpft irgendwie dann doch für die richtige Seite.

Andry Trelland ist ein junger Knappe vom Hof der Löwenkönigin Erida, der, genau wie Dom, dabei war, als sich die Dunkelheit über Allwacht entfesselte. Auch er hat das Grauen gesehen und auch ihm ist klar, dass die gesamte Welt in Gefahr ist. Dennoch gilt seine größte Sorge seiner kranken Mutter, die er unbedingt in Sicherheit wissen möchte. Nach der Schicksalhaften Schlacht kehrt er an den Hof von Königin Erida zurück, um seine Mutter reisebereit zu machen. Er will mit ihr in ihre Heimat, fernab des Konfliktes, reisen, um danach wieder zurückzukehren und zu versuchen, Allwacht zu retten. Verzweifelt hat er sich an seine Königin gewandt, die nur wenig älter als er selbst ist und ihn schon von Kindesbeinen an kannte. Doch Erida will nichts von dem wissen, was er zu berichten hat.
Als Dom, Sorasa und Corayne jedoch bei Hofe erscheinen, kann seine Königin nicht anders, als ihm und dem ungleichen Trio zu glauben.
Andry ist wohl der unschuldigste Charakter im gesamten Buch. Sein Ziel ist es, einmal Ritter zu werden, wie sein Vater es war. Er möchte ehrenvoll sein, irgendwie Ruhm erlangen, aber nicht um jeden Preis. Seine Sorge gilt vorrangig seiner Mutter, um die er sich liebevoll kümmert. Gleichzeitig will er aber auch das Reich verteidigen, indem er sein ganzes Leben verbracht hat. Er kennt seine Pflicht als Knappe. Gleichzeitig kann er nur schlecht mit dem umgehen, was er gesehen hat. Er weiß nicht, wie er das verarbeiten, wie er damit umgehen soll. Sein Weltbild ist plötzlich ein ganz anderes und seine Loyalität wird auf die Probe gestellt. Andry ist für mich ein herzensguter Mensch, der mutig und stark ist und für seine Überzeugungen einsteht. Ihm ist, vielleicht mehr als allen anderen, daran gelegen, seine Welt zu retten und somit Corayne um jeden Preis zu schützen. Hin und wieder streut Aveyard kleine, zarte, Funken zwischen den beiden ein, die, wie ich hoffe, vielleicht noch etwas vertieft werden, aber mit Sicherheit keine tragende Rolle bekommen. Ich hoffe sehr, dass Andry weiterhin ein wichtiger Charakter in der Reihe bleibt, denn er hat sich längst in mein Herz geschlichen.

Diese „Helden“ (und noch drei weitere aus deren Perspektive ich aber bisher nicht lesen durfte) machen sich nun auf, um das rückgängig zu machen, was Allwacht nach und nach zerstören wird. Und genau hier wird das Buch etwas kompliziert und undurchsichtig, denn Aveyard erklärt nicht wirklich wie das alles funktioniert. Sie wirft mit Begrifflichkeiten um sich, die ich als Leserin weder kenne, noch verstehe. Allen voran die Spindeln, die wohl früher überall zu finden waren und irgendwann, im Laufe der Zeit, verloren gingen. Diese Spindeln können aufgerissen werden und bieten dann Zugang zu einer anderen Welt. Das jedoch, habe ich mir irgendwie selbst zusammengereimt und fand es sehr schade, dass ich derart im Dunkeln gelassen wurde. Denn gerade dieses Wissen über die Spindeln wäre enorm hilfreich gewesen, um nachzuvollziehen wie die Gefahr, die die gesamte Welt bedroht, überhaupt zu einer solchen Bedrohung werden kann. Nach und nach bekommt man zwar Hinweise darauf, doch so richtig erklärt wurde das alles nicht. Das ist wohl der größte Kritikpunkt, den ich an die Geschichte habe. Es hat auf der einen Seite Spaß gemacht die Charaktere zu begleiten, doch auf der anderen Seite wollte ich eben mehr wissen. Mehr über die Welt, über die Spindeln und letztlich auch über die Magie in dieser Welt, die es wohl gibt, die aber nicht weiter thematisiert wird.

Die Handlung an sich wird zwar nicht von atemberaubender Spannung getragen, dennoch hatte ich großen Spaß daran, die Charaktere zu begleiten. Die Geschichte wird eben vor allem durch sie getragen, denn es kann noch längst nicht alles über die Welt und deren Mysterien offengelegt werden. Schließlich soll es eine gesamte Trilogie werden. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Action gewünscht, doch die Szenen, die mir diese Action gaben, fand ich immer sehr spannend und unterhaltsam. Gleichzeitig hat mir die Idee von Aveyard einfach so gut gefallen. Der zusammengewürfelte Haufen an handelnden Personen ist zwar nichts komplett Neues, doch wie sie miteinander verbunden sind, wie ihre Geschichten irgendwie zusammenhängen, das alles habe ich als sehr innovativ und neu empfunden. Die Geschichte als Ganzes befindet sich erst im Aufbau und das merkt man diesem Buch auch an, dennoch war es zum Teil wirklich schwer, das Buch mal zur Seite zu legen.

Nicht außer acht lassen darf ich allerdings noch die geniale böse Seite, in die wir ebenfalls Einblick erhalten. Ich möchte nichts dazu sagen, um wen es sich handelt, da dies erst im Laufe des Buches deutlich wird. Doch ganz ehrlich? Ich konnte mich teilweise nicht entscheiden, ob ich nun unsere ungleichen „Helden“ unterstützen möchte oder doch lieber auf der bösen Seite stehen will. Sie sind derart gut geschrieben und beschrieben, deren Dynamik ist unfassbar gut ausgearbeitet und ich konnte mich ihrem Sog kaum entziehen. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht diese Anziehungskraft zu verspüren und ich konnte mir viele der beschriebenen Situationen fast bildlich vorstellen. Hier sind sowohl die Gute als auch die Böse Seite unglaublich spannend und interessant. Allwacht strahlt in allen Facetten. Es gibt eben nicht nur schwarz und weiß, sondern jede einzelne Graustufe und gerade das macht die dunklere Seite aus, aber auch unsere „Helden“, die eben keine strahlenden Ritter auf weißen Pferden sind.

Fazit

Victoria Aveyard konnte mich mit ihrem Auftakt „Das Reich der Asche“ sehr in ihren Bann ziehen. Vor allem die verschiedenen Charaktere habe ich in mein Herz geschlossen, denn es gibt noch so viel an ihnen zu entdecken. Und sie alle, egal ob gut oder böse, haben mich einfach fasziniert und von sich eingenommen. Die Handlung war zwar nicht immer atemberaubend schnell, doch alles hat sich irgendwie gefügt und immer mal wieder wurden spannende Szenen eingebaut, die mir unheimlich viel Spaß gemacht haben. Es wird deutlich, dass dies erst der Anfang einer großen High Fantasy Geschichte ist und das hat mich nicht im geringsten gestört. Das einzige, was ich mir gewünscht hätte, wären mehr Erklärungen zu der Welt an sich gewesen. Einiges, das mir sehr wichtig erschien, musste ich mir selbst zusammenreimen, was ich einfach schade fand.
Dennoch: „Das Reich der Asche“ ist für mich ein toller Einstieg in ein neues High Fantasy Abenteuer, das ich definitiv empfehlen kann.

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