[Hörbuchrezension] Why we matter: Das Ende der Unterdrückung | Emilia Roig

Titel:Why we matter: Das Ende der Unterdrückung
Autorin:Emilia Roig
Sprecherin:Emilia Roig
Format:Hörbuch
Preis:16,99 €
Laufzeit:12 h 22 min. (ungekürzt)
Verlag:Aufbau audio
ASIN:978-3-351-03847-2
Bewertung:5 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Die Aktivistin und Politologin Emilia Roig möchte mit ihrem Buch ein neues Bewusstsein dafür schaffen, wie Zustände, die wir für „normal“ halten bspw. die Bevorzugung der Ehe, des männlichen Körpers in der Medizin oder den Kanon klassischer Kultur, historisch gewachsen sind. Und, dass unsere Welt eine ganz andere sein könnte. Sie zeigt Rassismus und Diskriminierung in verschiedenen Kontexten und klärt auf.


Durch einen glücklichen Zufall habe ich bei NetGalley das Hörbuch zu „Why we matter“ entdeckt und habe mich sehr darüber gefreut, als ich ein Rezensionsexemplar davon bekommen habe. Immer mal wieder habe ich Interesse daran mich weiter zu bilden, PoC zuzuhören und zu lernen mein eigenes Verhalten und Denken zu reflektieren. Mit „Why we matter“ ist mir, wie ich denke, ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gelungen. Nicht alles, was im Buch besprochen wurde war mir neu, dennoch war es wertvoll für mich der Autorin zuzuhören.

„Je privilegierter wir sind, desto schwieriger ist es, Privilegien und Ungleichheit zu erkennen und zu akzeptieren.“

Emilia Roig – Why we matter

Mit ihrem Buch gelingt Emilia Roig ein intersektionaler, feministischer Rundumschlag, der sich gewaschen hat. Mit Fakten und Belegen betrachtet Roig Rassismus und Diskriminierung in unterschiedlichsten Kontexten und Situationen. Was mich sehr beeindruckt und mir unglaublich gut gefallen hat war, dass sie immer inklusiv und intersektional vorgegangen ist. Sie lässt keine marginalisierte Gruppe aus und macht deutlich, was ihr übergeordnetes Ziel ist: die Welt dahingehend zu verändern, dass mehr Empathie und Offenheit in Bezug auf alle Lebensrealitäten stattfindet.

Die unterschiedlichsten Themen werden im Buch besprochen: Familie, Schule, Studium, das Wissen im Allgemeinen, die Justiz und Medien aber auch die Arbeitswelt werden diskutiert.
Emilia Roig ist es gelungen eine Verbindung zu mir herzustellen und das, obwohl sich unsere Erfahrungen eigentlich nicht weiter unterscheiden könnten. Ich bin eine weiße cis-hetero Frau, die alle Privilegien genießen kann, die es gibt (mal davon abgesehen, dass ich eine Frau bin). Bei ihrem LGBTQIA+ Kapitel fühlte ich mich dennoch irgendwie verbunden und habe meinen Entschluss, noch offener und vorurteilsfreier in die Welt zu blicken, wieder bestärkt. Roig klärt aber auch, dass Diskriminierung in diesem Bereich unterschiedlich abläuft, denn meistens sind schwule Männer sehr viel sichtbarer als beispielsweise lesbische Frauen. Bisexuelle und trans Personen erleben viel mehr Diskriminierung und das nicht nur außerhalb der Queeren Community, sondern auch mitten drin.

Einen großen Raum nimmt Rassismus ein, was mir als weiße Frau eben unfassbar viel hilft. Ich weiß, dass ich noch viel zu lernen habe und deshalb bin ich immer dankbar über solche Bücher, die mich aufklären und mir zeigen wo meine Art zu denken verändert werden muss, um die Welt für PoC besser zu machen.

Auch Kapitalismus, Armut und Klasse bekommen ihren „Moment“. Emilia Roig ist eine öffentliche Person mit Reichweite, sie ist Akademikerin und ist sich dessen bewusst, dass sie vom System profitiert. Doch Roig ist sich nicht zu schade gerade dieses System zu kritisieren und deutlich zu machen, dass Menschen die aktuell keiner Lohnarbeit nachgehen (können) nicht als dumm, wertlos oder faul abgestempelt werden sollten. Sie hält uns und der Gesellschaft den Spiegel vor, indem sie klar macht, dass wir eine sehr enge und begrenzte Sichtweise davon haben, was als Arbeit gilt und was nicht. Wer wertvoll ist und wer nicht.
Was an dieser Stelle vielleicht schön gewesen wäre, sozusagen das i-Tüpfelchen des Buches, sind Stimmen von Nicht-Akademiker*innen. Stimmen von Arbeiter*innen, der „Unterschicht“ um diese sichtbarer zu machen, um diesen eine Stimme zu geben. Und letztlich, sind wir mal ehrlich, welche Person, die bspw. Hartz IV-Empfänger*in ist, kann sich dieses Buch als Luxusgut dann leisten und lesen? Auch hier greift die von der Autorin angeprangerte Diskriminierung im Alltag auch.

Ein Punkt, über den ich nie so richtig nachgedacht habe, war das Konzept „Wissen“. Denn was ist das überhaupt genau und wer entscheidet dann, welches Wissen richtig und wertvoll ist? Wieso ist meist die Sichtweise von alten weißen Männern viel bedeutender als die, von einer Betroffenen Person? Gerade diese Gedanken sollte man festhalten und sich klar machen: ist es nicht sinnvoller gerade betroffene Personen eine Plattform zu bieten, ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen, anstatt an vermeintlichem Wissen von Personen festzuhalten, die eigentlich gar keine Ahnung von der Thematik haben?

Emilia Roig bringt in ihrem Buch so viele Themen auf klar artikulierte und deutliche Weise auf den Tisch, dass meine Rezension eindeutig gesprengt werden würde, wenn ich alles komplett ausführlich besprechen würde. Ich kann euch sagen: Familie, Schule, Uni, Arbeitswelt, Wissen, Medizin, Medien, all das kommt aufs Tablett und ich konnte unwahrscheinlich viel dazu lernen und hatte einiges, worüber ich nachdenken musste und weiterhin muss. Es wird wohl nicht sehr lange dauern, bis ich mir das Buch auch als Printversion ins Regal hole, denn um einzelne Stellen nachzulesen sind Hörbücher dann doch nicht so gut geeignet, obwohl für mich die Wahl eines Hörbuches gut war, denn durch einige längere Autofahrten habe ich dieses tolle Sachbuch genießen können.

Fazit

„Why we matter“ ist ein unfassbar wichtiges Buch, welches so viele Diskriminierungen (…) von denen wir täglich umgeben sind, auf dringliche Weise aufzeigt. Es spielt hierbei überhaupt keine Rolle ob und wie ich selbst davon betroffen bin, denn es ist so wichtig achtsam und aufmerksam auf solche Ungerechtigkeiten zu blicken.
Dieses Buch eröffnet Blickwinkel, die ich noch nie genauer betrachtet habe und die mir gezeigt haben: es stimmt, dass man nie auslernt und gerade in diesen Themenbereichen ist es einfach unerlässlich sich ständig weiterzubilden. Wir müssen zuhören und voneinander lernen, um ein Zusammenleben, das für alle gut ist, zu realisieren.
Wir alle sollten uns informieren und mit diesem Sachbuch gelingt es in jedem Fall. Klare Empfehlung!

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