[Rezension] Sie weiß von dir | Sarah Pinborough

Titel:Sie weiß von dir
Autorin:Sarah Pinborough
Übersetzerin:Ulrike Thiesmeyer
Format:Taschenbuch
Preis:10,00 €
Seitenzahl:448 Seiten
Verlag:Rowohlt
ISBN:978-3-499-27265-3
Bewertung:3 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Mit dem netten Mann aus der Bar landet Louise beinahe im Bett. Ein paar Tage später ist sie froh, dass es nicht passiert ist, denn David ist ihr neuer Chef. Doch es kommt noch schlimmer: er ist verheiratet.
Kurz danach lernt sie durch Zufall eine Frau kennen, die zerbrechliche, verletzliche Adele. Seine Frau. Und entgegen allem werden die beiden Freundinnen. Sehr früh merkt Louise, dass das vielleicht keine gute Idee war, denn nach und nach erfährt sie von Adele erschreckende Details über deren Ehe. Die Lage für Louise wird immer heikler doch sie weiß nicht, wie schlimm es tatsächlich ist. Die Begegnung mit Adele war ganz und gar kein Zufall. Sie hat einen Plan. Einen schrecklichen Plan.


Als die Mail vom Rowohlt Verlag kam, wurde ich direkt vom Klappentext von „Sie weiß von dir“ überzeugt. Ich wusste, dass ich das Buch unbedingt lesen möchte. Außerdem bin ich unglaublich neugierig auf die Umsetzung der Serie zu dem Buch, die diesen Monat auf Netflix erschienen ist. Die werde ich jetzt auf jeden Fall als nächstes schauen.

Die Geschichte ist in drei Teile geteilt und aus der Sicht von Adele und Louise erzählt. Außerdem gibt es bei Adele noch eine Unterteilung in „damals“ und „jetzt“, was sehr spannend aber gleichzeitig irgendwann auch für sehr viel Verwirrung gesorgt hat. Louise lernen wir als eine geschiedene junge Mutter kennen. Sie ist ehrlich und direkt, trinkt gerne mal ein oder zwei Gläser Wein und raucht recht viel. Ihre Art hat mir zu Beginn recht gut gefallen. Sie kümmert sich liebevoll um ihren Sohn, kommt gut mit ihrem Ex-Mann zurecht, trifft sich regelmäßig mit ihrer Freundin Sophie und ist sehr gewissenhaft in ihrem Job. Doch als sie feststellt, dass der nette und attraktive Mann aus dem Pub ihr Chef ist gerät sie für einen Moment in Panik. Die Lage klärt sich jedoch recht schnell, doch da ist es für Louise längst zu spät. Allerdings weiß sie das da noch gar nicht.

Adele ist ein kühler Charakter. Mir ist es bis zum letzten Kapitel nicht gelungen mich richtig in sie hineinzuversetzen. Ihre Art hat mir unfassbare Schwierigkeiten bereitet, denn sie verhält sich auf der einen Seite unglaublich besitzergreifend und auf der anderen Seite ist sehr lange nicht richtig klar, was in dieser Ehe überhaupt los ist. Wer ist der oder die Böse? Was läuft hier wirklich? Für mich war Adele alles andere als eine Sympathieträgerin. Mir wurde nach ca. 150 Seiten klar, dass ich bei ihr und ihrer Erzählweise sehr genau aufpassen musste. Kann ich wirklich glauben was sie mir erzählt? Oder will sie mich in die Irre führen? Vieles an ihr wirkt seltsam und obwohl sie so verletzlich und zart zu sein scheint bemerkt man als Leser, dass sie vielleicht auch gefährlich sein könnte. Gleichzeitig scheint sie über alles genauestens Bescheid zu wissen, ohne dass mir als Leserin klar wurde, wie sie das tatsächlich macht. Ich hatte sehr viele Vermutungen und nichts davon hat sich bewahrheitet. Am Ende des Buches war mir auch klar wieso, denn ganz ehrlich: diese Auflösung hätte niemand jemals erraten oder gar erahnen können und wer etwas anderes behauptet der lügt wie gedruckt.

Die Geschichte hat mich recht lange für sich eingenommen. Ich mag den Schreibstil der Autorin und hatte Spaß daran zu rätseln, was in dieser Erzählung nicht stimmt. Was ich vielleicht übersehen habe. Es hat mich mitgerissen gemeinsam mit Louise langsam Rätsel um Rätsel aufzudecken, doch gleichzeitig hatte ich immer ein seltsames Gefühl. Irgendetwas stimmte da ganz und gar nicht, doch ich konnte einfach nicht identifizieren was es war. Und das hat mich nach der Hälfte des Buches genervt. Nichts ging voran. Als Leserin habe ich keinen Häppchen Information bekommen. Nichts, das mich einer möglichen Lösung näher bringen könnte und nichts, das mich so derart aufs Glatteis führen würde, damit ich am Ende einen Schock erleide. Viel mehr kann ich eigentlich nicht zur Geschichte sagen, denn jedes Wort wäre hier zu viel. Das Buch ist auf der einen Seite sehr packend. Man versucht hinter die Fassade der handelnden Personen zu blicken. Man will alles wissen, um endlich die Wahrheit zu erfahren, doch was, wenn die Wahrheit von jeder Person eine andere Wahrheit ist? Was, wenn nichts davon wahr ist und gleichzeitig alles? Der Autorin ist es wirklich sehr gut gelungen mich zum Nachdenken anzuregen, mich aber auch gleichzeitig so sehr zu irritieren, dass ich einfach nicht komplett in diesem Buch aufgehen konnte. Mir hat dieser Twist gefehlt. Das zusätzliche Wissen, um das Geheimnis, das den anderen Charakteren fehlt. Ich denke das hätte mich noch mehr gepackt.

Und dann ging alles plötzlich sehr schnell und wurde nicht nur undurchsichtiger sondern auch sehr verrückt. Für meinen Geschmack einfach eine Spur zu drüber. Es war irritierend, unglaubwürdig und übertrieben. Ich habe nicht damit gerechnet und das Ende hat seine Wirkung zwar nicht verfehlt, mich aber gleichzeitig auch sehr aufgeregt. Diese Rezension schreibe ich einige Zeit nach beenden des Buches und ich weiß immer noch nicht ob dieses aufregen jetzt positiv oder negativ ist. Auf der einen Seite war die Geschichte vor allem durch das Ende einzigartig, doch auf der anderen Seite hat genau dieses Ende bewirkt, dass ich völlig unzufrieden bin. Nicht, weil es eben kein typisches Ende ist, sondern weil es zu unrealistisch ist. Ich kann diese Auflösung einfach nicht glauben und das nervt mich. Es nervt, weil das Buch so viel Potential gehabt hätte und es dann so unwirklich zu Ende geht.

Fazit

„Sie weiß von dir“ hat seine Wirkung bei mir definitiv nicht verfehlt. Auf der einen Seite hat die Geschichte mir Spaß gemacht, weil ich viele verschiedene Szenarien zur Handlung durchgespielt habe. Ich habe etliche Möglichkeiten erwogen, habe überlegt was wohl im argen liegt, was ich übersehen habe und wer Spielchen spielt. Auf der anderen Seite hat die Geschichte eine Wendung durchgemacht, die mir nicht nur nicht gefallen hat, sondern, in meinen Augen, zu unrealistisch und unwirklich war. Die Autorin hatte zwar den Schocker auf ihrer Seite aber einen, der sich ein rational denkender Mensch einfach nicht vorstellen kann. Es hätte für mich nicht ein solches Ende sein müssen, um mich als Leserin zu schocken oder zu überraschen. Das Buch war unterhaltsam, es war auch spannend und vor allem sehr gut geschrieben, doch das Ende war mir einfach zu viel und zu übertrieben, das hätte nicht sein müssen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..