[Rezension] Der Orden des geheimen Baumes – Die Königin | Samantha Shannon

Titel:Der Orden des geheimen Baumes – Die Königin (Königin von Inys #2)
Autorin:Samantha Shannon
Übersetzerin:Wolfgang Thon
Format:Hardcover
Preis:20,00 €
Seitenzahl:544 Seiten
Verlag:penhaligon
ISBN:978-3-7645-3240-6
Bewertung:2 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Die Magierin Ead ist zurück in der Priorei des geheimen Baumes, doch sie weiß, dass sie dort nicht bleiben kann. Nicht nur die Geheimnisse, die sie aufgedeckt hat, zwingen sie dazu, zurück nach Inys zu gelangen, sondern auch die Königin selbst, denn ihre besondere Verbindung, möchte die junge Frau nicht sofort wieder aufgeben. Doch in Inys hat sich einiges verändert und Ead muss einen Plan schmieden, um die Königin zu retten. Gleichzeitig offenbart sich ihr eine Wahrheit über das Haus Berethnet, welche ganz Inys und das Tugendtum erschüttern wird…


Relativ zügig nach beenden von Teil 1 „Die Magierin“ habe ich mir den zweiten Teil dieser Dilogie bzw. dieses aufgesplitteten Einteilers genommen, um ihn zu lesen. Diese Tatsache war eine gute Entscheidung, denn ich kann mir gut vorstellen, dass je länger man mit der „Fortsetzung“ wartet, der Einstieg immer schwieriger wird. Schließlich ist die Geschichte im Original nicht geteilt und wir beginnen bei „Die Königin“ mitten im Buch. Und so fühlt sich der Beginn auch an. Bitte gebt acht beim Lesen dieser Rezension: es wird für den ersten Teil gespoilert.

Es gibt eben keinen großen Vorlauf. Es wird direkt weitererzählt. Wer mitten in der Geschichte ist, den stört dies nicht weiter. Ich habe dennoch kurz Zeit gebraucht, um weiterzulesen, weil ich es zeitlich nicht anders geschafft habe. Diese Zeit, hat mir jedoch auch Informationen gekostet. Und das war nur ein Monat, der dazwischen war. Das meiste Geschehen war mir noch präsent, aber eben nicht jedes Detail. Eigentlich würde ich empfehlen, beide Bücher direkt hintereinander zu lesen, weil es eben eigentlich ein Buch ist und keine zwei. Diese Geschichte war nicht dazu gedacht sie aufzuteilen und aus diesem Grund sollte man die Bücher auch hintereinander lesen. Ich kann verstehen, aus welchem Grund diese Entscheidung getroffen wurde, bin aber ehrlicherweise kein Fan davon.
Nun aber zur Geschichte.

Wir begleiten wieder die unterschiedlichsten Handlungsstränge, die, so hofft man als Leser*in natürlich, irgendwann ein großes Gesamtbild ergeben.
Zunächst sind wir in Lasia beim Orden des geheimen Baumes. Ead hat auf ihrer Reise einiges erfahren und weiß nun zum Teil, wie der Namenlose Eine besiegt werden könnte. Doch dazu muss sie zurück nach Inys. Zurück zu Sabran. Die beiden Frauen verbindet nicht nur eine Freundschaft, die sich langsam entwickelt hat, sondern auch die Liebe zueinander und nichts kann Ead daran hindern, zurück zu Sabran zu gelangen.
Doch in der Priorei ist Ead auch mit Konflikten konfrontiert, die sich nicht so leicht beheben lassen. Letzten Endes ist sie dazu gezwungen, ihre Schwestern zu verraten und zu flüchten. Sie weiß, dass sie gejagt werden wird, doch gleichzeitig ist ihr auch klar, dass es keinen Orden mehr geben wird, wenn sie nicht zurück nach Inys kommt. Der Namenlose Eine bedroht die gesamte Welt, es spielt keine Rolle wer woher kommt und welcher Religion die Menschen anhängen. Er wird über die Welt kommen, um sie zu vernichten.
Eads Flucht gelingt und gleichzeitig wird ihr eine Wahrheit offenbart, die gerade Inys und das Tugendtum für immer verändern wird.

Tané ist auf die Federinsel verbannt, um dort ihr Leben zu fristen. Auch wenn sie weiß, dass das, was sie getan hat unverzeihlich ist, kann sie ihre Drachin nicht vergessen. Sie wurde gefangen genommen und könnte getötet werden. Tané kann sich damit nicht zufrieden geben und ihr ist klar, dass sie ihrer Drachin nur dann helfen kann, wenn sie von der Federinsel flieht. Die Frage, die sie beschäftigt ist jedoch: wie kann ihr dies gelingen?
Während eines Erdbebens, welches durch das langsame Erwachen des Namenlosen Einen ausgelöst wurde, entdeckt auch Tané ein Geheimnis, welches ihr Leben auf den Kopf stellt. Und dieses Geheimnis lässt sie letztlich entscheiden, dass die Flucht von der Federinsel ihre einzige Möglichkeit ist, um nicht unterzugehen.
Als ein fremdländisches Schiff bei ihnen strandet sieht sie ihre Chance und ergreift sie ohne zu zögern. Tanés Schicksal ist verbunden mit den Schicksalen von Ead und Sabran und das, ohne dass die Frauen etwas davon wissen.

Während all dieser Enthüllungen befindet sich Niclays Roos noch immer in Gefangenschaft der Goldenen Herrscherin und muss ihr helfen zu einer unbekannten Insel zu reisen, um die Unsterblichkeit zu erlangen. Dieser Erzählstrang ist in meinen Augen vor allem im zweiten Teil der Geschichte sehr unnötig und irgendwie auch kräftezehrend. Mich hat Roos und seine Art sehr angestrengt und genervt. Ich bin überhaupt nicht mit ihm klar gekommen und das hat sich in diesem Teil des Buches nur noch verstärkt. Er ist unglaublich egoistisch, weinerlich und kann eigentlich nichts anderes außer jammern. Eigentlich hat sein Erzählstrang auch nicht wirklich Informationen beigesteuert, die zum Fortgang der Handlung beigetragen hat, denn alles, was er beisteuerte, hätte auch über andere Wege in die Geschichte eingeflochten werden können.

Ihr merkt schon, die Zusammenhänge sind schwer zu erklären ohne fatal zu spoilern oder sich irgendwie aufzuregen. Die Entwicklungen haben sich sehr schnell in eine bestimmte Richtung gewendet und gleichzeitig gab es sehr viele Geheimnisse und Enthüllungen auf einmal. Mir hätte es besser gefallen, wenn die Autorin diese Enthüllungen etwas breiter gestreut in ihre Geschichte aufgeteilt hätte. So haben wir ein Geheimnis um das andere, welche in kürzester Zeit aufeinander folgten. Der Effekt dieser Enthüllungen wurde durch diese Anhäufung bei mir wirklich abgeschwächt. Ich hatte nicht diesen „Oh mein Gott“ Moment, denn irgendwie war klar, dass da noch etwas kommen würde. Natürlich konnte ich die Zusammenhänge nicht vorhersehen, es waren Überraschungen dabei, doch irgendwie haben sie dennoch ihren Effekt bei mir verfehlt. Es war einfach zu viel, zu verworren und wirr. Mir hat teilweise die Logik hinter den Ideen gefehlt und ich weiß nicht, ob ich am Ende der Geschichte wirklich alles komplett verstanden hatte.
Entweder es lag an mir oder eben an der Geschichte, die ab der Mitte des Buches für mich teilweise zu verworren wird. Ich hätte mir eher gewünscht, dass das Augenmerk auf eine dieser Enthüllungen gelegt wurde, sie besser ausgearbeitet wird und klarer in der Geschichte verwoben wird. Denn letztlich war auch die entscheidenden Schlacht eher langweilig und kurz gehalten.
Die Wege haben die Charaktere zusammengeführt und sie stehen vor der Schlacht, die alles entscheiden wird. Diese Schlacht, auf die fast 1000 Seiten hinarbeiten ist in kürzester Zeit beendet. Und das hat mich dann doch etwas enttäuscht. Alles geht sehr schnell, es wird sich wenig Zeit gelassen und alles, worauf die Charaktere sich vorbereitet haben, ist so schnell abgehandelt, dass ich es als Leserin kaum begriffen habe.

Das Ende des Buches war ebenfalls eher enttäuschend für mich. Zu viele Fragen bleiben offen, zu schnell wurde alles abgehandelt und irgendwie gibt es weder ein schlechtes noch ein gutes Ende für die Charaktere. Die Geschichte fühlt sich irgendwie nicht abgeschlossen an, als gäbe es noch so viel mehr zu erzählen. Und das finde ich sehr schade. Das Ende hätte zufriedenstellender gestaltet werden können. Natürlich sind Autor*innen nicht verpflichtet ihre Leser*innen glücklich zu machen aber irgendwie zu einem Abschluss zu finden hätte mir doch für diese Geschichte gut getan.

Fazit

Abschließend ist zu sagen, dass die Autorin mit dieser Geschichte wirklich viel gewollt hat. Sie hat eine unglaublich facettenreiche Welt erschaffen, mit Charakteren die vielschichtig und spannend waren. Doch die Handlung hatte, in meinen Augen, zu viele Verwirrungen und Irrungen in sich. Es war am Anfang noch spannend zu lesen, doch irgendwann verlor sich die Geschichte in ihren Geheimnissen und Enthüllungen. Ich hätte mich lieber auf eine Enhüllung fokussiert und diese besser ausgearbeitet. Wer schon bei Teil 1 eher unsicher ist, sollte sich diese Geschichte vielleicht lieber aus dem Kopf schlagen. Man braucht sehr viel Durchhaltevermögen und bekommt, leider, nicht die epische Geschichte, die man sich vielleicht vorgestellt hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.