[Rezension] Caraval | Stephanie Garber

Caraval

Titel: Caraval
Autorin: Stephanie Garber
Übersetzerin: Diana Bürgel
Format: Klappbroschur
Preis: 14,99 €
Seitenzahl: 399 Seiten
Verlag: IVI – Piper
ISBN: 978-3-492-70416-8
Bewertung: 2 Sterne

Inhalt

Scarlett Dragna lebt gemeinsam mit ihrer Schwester in ständiger Angst vor dem gewalttätigen Vater, dem Governor von Trisda. Sie möchte diesem Leben unbedingt entfliehen, doch nun soll Scarlett an einen Grafen verheiratet werden. Könnte dies ihre Rettung sein? Mit einer Hochzeit entfernt sie sich jedoch weiter, von ihrem größten Wunsch: an dem legendären Spiel Caraval teilzunehmen: darin werden nicht nur Freiheit und Abenteuer versprochen, sondern auch die Erfüllung von Wünschen. Als sich Scarlett in diesem Spiel widerfindet, wird ihr jedoch schnell klar, dass nichts ist, wie es scheint und die wunderbare Welt von Caraval sehr schnell zu etwas unglaublich Dunklem werden kann…


„Caraval“ ist 2017 auf Deutsch erschienen. Damals wurde es recht gehypt und ich bin nicht daran vorbei gekommen, das Cover zu bestaunen und mir den Klappentext anzuschauen. Die Handlung klang wirklich spannend, doch ich wollte mich nicht näher mit dem Buch beschäftigen. Manchmal wirken so gehypte Bücher eher abschreckend auf mich und wie ihr seht, habe ich drei Jahre gebraucht, um dem dann doch noch nachzugeben. Gemeinsam mit meiner Freundin Mona habe ich mir das Buch gebraucht gekauft und direkt gelesen.

„Willkommen, willkommen in Caraval! Dies ist die großartigste Vorstellung an Land und auf dem Meer. Ihr werdet Wunder erleben, wie sie vielen Menschen ihr Leben lang nicht begegnen. Ihr könnt Magie aus einer Tasse trinken und Träume in Flaschen kaufen. Doch bevor ihr ganz und gar in unsere Welt eintaucht, erinnert euch daran, dass alles nur ein Spiel ist. (…) Es ist eine Welt aus Illusionen. Wir wollen euch davontragen, doch gebt acht, dass ihr nicht zu weit davongetragen werdet.“ (S. 80)

Diese Worte hört jeder genau zwei Mal, bevor das größte Spiel der Welt beginnt: Caraval! Auch Scarlett Dragna möchte Teil dieser wundersamen Welt werden und schreibt dem Veranstalter dieses großartigen Spieles schon als junges Mädchen Briefe. Doch nie erhält sie Antwort. Bis kurz vor ihrer Hochzeit. Plötzlich befindet sich Scarlett in Caraval und ihr wird sehr schnell bewusst, dass diese wundersame Welt so ganz anders ist, als sie es sich erträumt hat.
Und so ähnlich wie Scarlett ist es auch mir ergangen. Ich habe mir nicht nur ein actionreiches Abenteuer von Caraval versprochen, sondern auch eine großartige Welt voller Magie, Fantasie, Spannung aber auch Düsternis. Sehr schnell musste ich jedoch erkennen, dass Caraval kaum etwas davon für mich übrig hatte.
Das Spiel ist tatsächlich voller Illusionen, falschen Fährten und Geheimnissen. Scarletts Aufgabe besteht darin Hinweise zu finden, um zu ihrer verschwundenen Schwester Donatella zu gelangen. Nur, wer alle Hinweise richtig zusammensetzt, kann sie finden und gleichzeitig einen Wunsch gewinnen. Für Scarlett ist natürlich klar, dass sie Tella unbedingt finden muss und sie ist froh, dass der Seemann Julian an ihrer Seite ist. Er hat Caraval schon einmal gespielt und möchte ihr helfen. Auch wenn Scarlett nicht klar ist, aus welchem Grund er das tun möchte. Was verspricht er sich davon? So etwas tut man doch nicht aus reiner Nettigkeit? Und genau damit fängt auch schon eines meiner größten Probleme an: die Hinweise, welche Scarlett leiten sollen. Sie wirken völlig verquer, durcheinander und willkürlich irgendwo platziert. Nichts ergibt Sinn und lässt die Charaktere wild durch das Spiel taumeln. Es gibt keinerlei roter Faden, denn letztlich könnte alles und nichts ein Hinweis sein. Zufall um Zufall scheint Scarlett den Weg durch das Spiel zu leiten aber ganz bestimmt kein einziger dieser Hinweise. Durch Naivität und fast schon purer Dummheit springt sie durch Caraval und kommt der Lösung näher. Es hat mich von Anfang an aufgeregt, dass Scarlett überhaupt keinen Plan hat und völlig unstrukturiert durch das Spiel rennt. Ihr größter Wunsch war es, an diesem Spiel teilzunehmen und sie hat sich nie näher damit beschäftigt? Sie hat nie richtig darüber nachgedacht wie das Spiel funktionieren könnte, was es damit auf sich hat und welchen Preis das Spiel vielleicht haben würde. Für sie war es ein verklärter Kindheitstraum, den sie auch während des Spiels nicht wirklich loslässt. Sie lässt sich von allem möglichen Ablenken und bleibt nicht bei der Sache. Unüberlegt stürzt sie sich von einem Ort zum Nächsten, was mich immer mehr frustrierte. Und dann hat Garber auch noch eine Liebesgeschichte eingebaut, die so unglaubwürdig war, wie das auffinden der Hinweise. Es war ja abzusehen, dass Scarlett sich zu Julian hingezogen fühlt und ohne irgendetwas zu hinterfragen vertraut sie ihm. Einem Kerl, der urplötzlich auftaucht und ihr und Tella die Lösung auf dem Silbertablett präsentiert: eine Fluchtmöglichkeit aus den Fängen des Vaters. Dann landen sie in Caraval und Scarlett verliebt sich in ihn? Wirklich? Mal davon abgesehen, dass diese Liebesgeschichte wirklich überhaupt nichts zur Handlung beigetragen hat, wirkte das aufgesetzt, erzwungen und überhaupt nicht glaubwürdig. Aber wir befinden uns in einem Jugendbuch, da muss es wohl eine Liebesgeschichte geben.

Doch nicht nur die abstrusen Hinweise und Scarletts Naivität haben mich an der Geschichte genervt. Die Autorin hat sich auch überhaupt nicht die Mühe gemacht die Welt, in der wir uns befinden näher darzustellen. Es gibt zwar eine Karte vorne drin, doch die besteht nur aus einer vagen Darstellung von Caraval. Mehr nicht. Es wird zwar erwähnt, dass Scarlett und Tella auf der Insel Trisda leben, die wohl von irgendeinem Reich eingenommen wurde. Doch das war es auch schon. Es gibt überhaupt kein Worldbuilding. Wann spielt die Geschichte? Ist das hier eine Dystopie? Ist es eine komplett neue Fantasywelt? Und wenn ja, wie ist diese Welt aufgebaut, wie passt Caraval hinein?
Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, wie funktioniert die Magie, die in Caraval wirkt? Gibt es diese Magie nur in Caraval? Kann sie außerhalb des Spieles auch wirken? Und wenn ja, wie? Nichts davon wird auch nur ansatzweise erklärt.
Der Veranstalter Legend scheint eine mystische Gestalt zu sein, den niemand je wirklich zu sehen bekommt und Freude daran hat, seine Spieler ins Unglück zu stürzen. Doch was steckt wirklich dahinter? Alle möglichen Erklärungsversuche haben mir nur ein müdes Lächeln abgerungen. Nichts kam überraschend, nichts war durchdachte und alles irgendwie verquer und abstrus. Sinn konnte ich hinter nichts erkennen.

Das einzige, was Stephanie Garber wirklich gut hinbekommen hat ist die Tatsache, dass sich das Buch unglaublich schnell lesen lässt. Ich bin gut durch die Geschichte gekommen, kann aber nicht so genau festmachen, woran das lag, denn der Schreibstil ist sehr eigentümlich und anstrengend. Scarlett nimmt ihre Umwelt und Gefühle durch Farben wahr. Das hat für mich überhaupt nichts poetisches oder schönes, sondern irritierendes. Es hat mich sehr angestrengt, weil die Beschreibungen für mich überhaupt nicht greifbar waren.
Dennoch und es ist wirklich erstaunlich, hat mich das Ende dann doch unwahrscheinlich neugierig gemacht. Ich will wissen, wie es weiter geht. Will wissen, ob und wie es mit Caraval weiter geht und deshalb wartet Legendary, Band 2, bereits darauf, von mir gelesen zu werden. Vielleicht hat sich die Autorin ja verbessert und es gibt eine Steigerung? Ich kann es nur hoffen.

Fazit

Caraval war für mich keine wunderbare Reise durch eine magische Welt. Es war eher eine Reise gespickt voller unrealistischer Szenarien, die keinem roten Faden gefolgt sind. Scarlett hat mich von Anfang bis Ende abgenervt. Sie war überhaupt nicht sympathisch, nur naiv und fast schon dumm. Die Liebesgeschichte war unnötig und überhaupt nicht glaubwürdig und ein Worldbuilding gab es praktisch nicht. Trotzdem konnte die Autorin mich mit dem Ende so weit bringen, dass ich den zweiten Teil lesen möchte und ich bin gespannt, wohin mich „Legendary“ dann bringen wird.

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