Die Magdalena – Verschwörung | Kathleen McGowan

 

Die Magdalena Verschwörung

Titel: Die Magdalena – Verschwörung
Autorin: Kathleen McGowan
Übersetzerin: Barbara Först
Format: Taschenbuch
Preis: 12,00 €
Seitenzahl: 605 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-16912-2
Bewertung: 1 Stern

Rezensionsexemplar

Inhalt

Am Hof von Margarete von Österreich genoss Anne Boleyn 1513 und weitere Jahre eine wahrlich gute Erziehung. Sie nahm an Pilgerreisen teil, wurde in Musik unterrichtet und wurde in Flandern zu der gebildeten jungen Frau, die später am Hof von König Heinrich VIII. allen Männern den Kopf verdrehte. Doch Margarete von Österreich und später die französische Königin unterrichteten Anne nicht nur, sondern lehrten sie, dass viel mehr in ihr steckt, als sie für möglich hielt. Ihr wurde ein Geheimnis offenbart, das so viel Größer war, als alles, was sich das junge Mädchen nur vorstellen konnte und ihr gesamtes Leben wurde durch diese Erziehung beeinflusst.
In der Gegenwart untersuchte Maureen in Frankreich einen atemberaubenden Fund, den sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und zwei weiteren Freunden gemacht hatte. Er würde die gesamte Geschichtsschreibung im Bezug auf Anne Boleyn verändern. Doch es scheint so, als hätte jemand dagegen, dass etwas über diese bedeutende Frau veröffentlicht wurde, denn eine bekannte feministische Autorin wurde auf brutale Weise ermordet und auch Maureen könnte in sein Visier geraten.


Bevor ich auf meine eigentliche Rezension zu sprechen komme, möchte ich einige Worte bezüglich meiner Bewertung loswerden. Diese Wertung trifft vor allem die deutsche Ausgabe dieses Buches, denn sie weicht vom amerikanischen Original ab. Die Autorin hatte ursprünglich einen reinen historischen Roman zu Anne Boleyn und ihrer Zeit in Flandern und Frankreich geschrieben. Bastei Lübbe jedoch entschied, einen Gegenwartspart hinzuzufügen, welchen die Autorin ebenfalls schrieb, jedoch ursprünglich nicht geplant hatte. Dies hat meine Wertung maßgeblich beeinflusst, da in meinen Augen sehr deutlich zu spüren war, dass dieser Teil zusätzlich hinzugefügt wurde. Eine Verbindung zwischen Vergangenheits- und Gegenwartsteil war kaum herzustellen. Außerdem habe ich mir mit dem Klappentext und dem Label des Buches sehr schwer getan. Der Klappentext, der auf der Verlagsseite zu finden ist, gibt nicht ansatzweise das wider, das tatsächlich in diesem Buch geschieht, die Geschichte einen Thriller zu nennen ist außerdem ebenfalls mehr als falsch. Dieses Buch enthält nur einen kleinen Funken Spannung und verdient deshalb keinesfalls die Beschreibung „Thriller“. Mich hat diese Tatsache sehr geärgert und tut es noch. Ich kann bis zu einem gewissen Grad verstehen, wieso der Verlag entschieden hat, einen Gegenwartsteil hinzuzufügen. Die Autorin hat bereits Bücher mit ähnlicher Thematik und den selben Charakteren als Reihe veröffentlicht und dieser Teil sollte sich im deutschen Verlag einreihen. Möglicherweise steigern sie so die Verkaufszahlen. Ich weiß es natürlich nicht genau, doch die Entscheidung ist in meinen Augen nicht unbedingt glücklich gewesen. Durch den Gegenwartsteil sollte ein Thriller aus dem Buch gemacht werden, das eindeutig kein Thriller war. Ich will der Autorin nicht unterstellen, dass sie mit weniger Begeisterung an diesem zusätzlichen Teil geschrieben hat, doch dieses Gefühl wurde mir vermittelt. Der Verlag hat sich aus meiner Sicht keinen gefallen damit getan und das hat sich sehr deutlich in meiner persönlichen Wertung ausgeschlagen.


Ich habe das Buch durch die Lesejury bekommen und war vor allem durch die Leseprobe sehr begeistert. Die Geschichte klang ungemein spannend und deshalb habe ich mich auch erst für die Leserunde beworben. Es sollte ein spannender Thriller werden, in dem es um grausame Morde mit historischem Hintergrund geht. Doch leider, wie ich schon in meinem kleine „Vorwort“ angedeutet habe, hat das mit dem Buch und mir alles andere als gut funktioniert.

Der Beginn hat mir ganz gut gefallen. Ich mochte ja die Leseprobe schon und dies konnte ich beim zweiten Mal lesen wieder sagen. Es kam Spannung auf, man wollte wissen, was es mit dem Mord a la Anne Boleyn auf sich hat und wie die Londoner Polizei damit umgehen wird. Außerdem habe ich mich auf tolles Rätselraten gefreut und nichts davon habe ich bekommen.
Der Vergangenheitsteil rund um Anne Boleyn und ihre Zeit in Flandern hat mir ganz gut gefallen. Es ist nicht viel darüber bekannt, wie genau Anne aufgewachsen ist und was sie dort alles erlebt hat. Man weiß, dass sie in Flandern bei Margarete von Österreich war und dort eine sehr gute Ausbildung und Erziehung genossen hat. Margarete von Österreich war eine sehr bedeutende Frau für ihre Zeit und hat der jungen Anne Boleyn sehr gut getan. McGowan beschreibt Anne als wissbegieriges, Gescheides und wunderschönes Mädchen, das für ihren Glauben brennt und für ihre Überzeugungen eintreten möchte. Auch ihre Zeit in Frankreich wird sehr schön beschrieben. Wie sie Königin Claude als Hofdame dient, ihr zur Seite steht und gemeinsam mit ihr eine Pilgerreise unternimmt. Doch das reicht nicht aus, um mehr als ein historischer Roman zu sein. Und dann nicht einmal ein besonders guter historischer Roman. Der Schreibstil der Autorin ist ganz gut, doch ihre Erzählstimme passt in meinen Augen nicht zu einem historischen Roman. Sie hat im Verlaufe der Geschichte dazu geneigt, sehr viele Fakten auf wenige Seiten zu packen und kaum Tiefe in das Erzählte zu legen. Alles wird nur irgendwie aneinander gereiht und die Zusammenhänge werden irgendwie erklärt aber doch nicht wirklich näher gebracht. Ich kenne mich bei Anne Boleyn relativ gut aus, sobald sie am englischen Hof war und dieses Kapitel wurde in „Die Magdalena – Verschwörung“ nur ganz kurz angerissen oder eher einfach nur aufgezählt, was passiert ist. Ich fand es sehr schade, dass einer Pilgerreise Seite um Seite gewidmet wurde, die quasi ein wichtiger Wendepunkt in Annes Leben darstellen soll und dann das, was ihr Leben letztlich eigentlich ausgemacht und für immer verändert hat, auf ganz wenigen Seiten abgehandelt wird.
Außerdem soll alles in irgendeinen mystischen Zusammenhang gebracht werden, der irgendwie erklären soll, wieso all das mit Anne geschehen ist und aus welchem Grund das alles passieren musste und davon klärt die Autorin in keinem Nachwort etwas auf. Sie lässt den Leser mit irgendwelchen halbgaren Gedankengängen zurück, von denen niemand weiß, ob sie tatsächlich in der Wissenschaft diskutiert werden oder einfach nur ein Hirngespinst sind, das sich die Autorin ausgedacht hat, um eventuell etwas Spannung aufzubauen. Was ihr allerdings in keinem Fall gelungen ist. Auch die Umstände, weshalb Anne hingerichtet wurde, lässt die Autorin mit einer neuen Theorie erklären, von der ich noch nie gehört habe. Das könnte durchaus möglich sein, doch ich weiß nicht woher die Autorin diesen Gedanken hat. Es wurde einfach nichts belegt. Ich muss also entweder selbst recherchieren, inwieweit Wissenschaftler in diese Richtung forschen, der Autorin glauben und denken, das wäre tatsächlich eine Hypothese oder es als künstlerische Freiheit sehen. Darauf werde ich wohl nie eine Antwort bekommen, was ich schade finde.

Der Gegenwartspart, der von der Autorin ursprünglich ja gar nicht gewollt war, hat mich aber noch viel mehr enttäuscht, als der Vergangenheitspart. Es gab zwar einige wenige Überschneidungen, die durch sehr fragwürdige „Zufälle“ herbeigerufen und ebenfalls mit mystischen Details in einen Zusammenhang gebracht wurden, doch eigentlich waren es zwei verschiedene Geschichten die nichts miteinander zu tun hatten. Die Morde, die in der Gegenwart geschehen spielen m Prinzip keine große Rolle. Die Charaktere fühlen sich weder bedroht, noch in Gefahr, noch sind sie irgendwie traurig oder im Schock, nachdem jemand stirbt, den sie erst vor kurzem noch getroffen haben. Es spielt eigentlich überhaupt keine große Rolle, ob jemand tot ist, denn das mystische und geheime Schloss, welches von den Protagonisten gekauft wurde, beherbergt so viele Geheimnisse, dass es eigentlich egal ist, wenn jemand tot ist. Polizeiarbeit wird zwar angedeutet, kommt aber viel zu kurz. Es gibt keinen Spannungsbogen, der sich zuspitzt und letztlich gibt es auch keine glaubwürdige Aufklärung. Nichts wird richtig aufgelöst. Weder wie die Morde geplant und ausgeführt werden konnten und welche wirklichen Beweggründe der Täter hatte. Was das alles mit Anne Boleyn zu tun haben sollte hat sich mir außerdem auch überhaupt nicht erschlossen, die Zusammenhänge wurden mir einfach überhaupt nicht klar und das hat mich nur noch mehr geärgert. Alles in allem konnte die Handlung mir auch keine Überraschung auftischen. Ein angedachter Twist ist mir nach kürzester Zeit klar gewesen und jegliche Art von Zusammenhängen war komplett durchschaubar. Auch der Täter geriet recht schnell in Verdacht, was die Langeweile weiter steigerte. Es gab einfach keine Spannung, nichts überraschendes und kein Twist, der mich an die Seiten gefesselt hat.

Letztlich führt auch die Aufschrift „Thriller“ und der Klappentext zu einer Verwirrung und Enttäuschung, vor der ich sämtliche Leser warnen möchte. Deshalb schreibe ich bei meinen Rezensionen immer eine eigene Inhaltsangabe, da ich nie zu viel oder zu wenig verraten möchte. Bei Die Magdalena-Verschwörung werden mit dem Klappentext völlig falsche Erwartungen geweckt, die unweigerlich in eine riesengroße Enttäuschung münden. Es wird eine ganz andere Geschichte vermittelt, als die, die ich gelesen habe. Ich mochte den historischen Teil eigentlich schon, da ich Anne Boleyn eben faszinierend finde und es durchaus wichtig finde, die Meinung zu unterstützen, dass sie alles andere als eine Hure war, die den König nach Strich und Faden betrog. Sie hat das alles nicht getan und wurde nur deshalb hingerichtet, weil sie keinen Sohn zur Welt bringen konnte. Doch wer sich hierfür eben nicht interessiert, der hat mit diesem Buch keinen Spaß. Es ist doch alles recht trocken und teilweise sehr langweilig geschrieben. Gleichzeitig ist es auch hilfreich, wenn man sich schon etwas mit der Geschichte der Tudors auskennt und ich meine, wer das Buch als Thriller kauft, muss nicht unbedingt Liebhaber von historischen Romanen bzw. der Tudorzeit sein. Ich bin wirklich sehr unzufrieden damit, wie das Buch beworben wird und deshalb auch sehr enttäuscht von der Handlung, weil ich einfach etwas ganz anderes bekommen habe, als ich erwartete.

Fazit

Weder der Schreibstil, noch die Handlung konnten mich auch nur ansatzweise überzeugen. Die Autorin schafft es nicht mich in ihren Bann zu ziehen. Es ist ihr weder gelungen einen besonders guten historischen Roman zu schreiben, noch auch nur einen ansatzweise ernst zu nehmenden Thriller. Das Label, das der Verlag dem Buch gegeben hat, passt in keiner Weise zu dem Inhalt des Buches und auch der Klappentext führt, meiner Meinung nach, komplett in die Irre. Ich bin mit völlig falschen Erwartungen an die Geschichte herangegangen und deshalb ist es bei mir und dem Buch auch völlig schief gegangen. Ich kann euch das Buch überhaupt nicht empfehlen.

3 Gedanken zu “Die Magdalena – Verschwörung | Kathleen McGowan

  1. seestern12 schreibt:

    Oh je, dass ist schade, wenn die eigenen Erwartungen so gar nicht erfüllt werden und man sich durch eine Leserunde „quälen“ muss. Ich nehme gerade auch an einer leserunde teil.

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