Die Mutter | Aimee Molloy

 

Die Mutter

Titel: Die Mutter – Ein Fehler und du verlierst alles
Autorin: Aimee Molloy
Übersetzerin: Katharina Naumann
Format: Klappbroschur
Preis: 12,99 €
Seitenzahl: 347 Seiten
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3-499-27636-1
Bewertung: 4 Sterne

Rezensionsexemplar 

Inhalt

Über ein Internet-Portal haben sich die Mai-Mütter kennen gelernt. Sie treffen sich während der Schwangerschaft und dann nach der Geburt. Sie stehen sich zur Seite, teilen ihre Ängste, Nöte und Sorgen. Sie halten zusammen und werden Freundinnen. Schließlich entscheiden sie sich dafür einen Abend eine Auszeit zu nehmen und ohne ihre Babys auszugehen, um in einer Bar gemeinsam Zeit zu verbringen. Die alleinerziehende Winnie lässt ihren kleinen Sohn Midas für den Abend bei einer Babysitterin, doch als Winnie nach Hause kommt, ist ihr Kind spurlos verschwunden und niemand will etwas bemerkt haben. Die Tage, die dann folgen, lassen jede der Mütter durch eine Hölle gehen: Francie will unbedingt Antworten finden, Collette weiß viel zu viel, Nell hat ein düsteres Geheimnis und eine Mutter hat etwas Unaussprechliches getan.


Ich bin keine Mutter und möchte es in nächster Zeit auch nicht werden. Deshalb kann ich wahrscheinlich solche Geschichten bisher noch gut lesen. Wäre ich eine Mutter, könnte ich das wahrscheinlich nicht. In diesem Buch nimmt der Albtraum jeder jungen Mutter plötzlich Gestalt an: du lässt dein Baby bei einer Babysitterin und als du zurückkehrst ist dein Kind verschwunden und niemand weiß was geschehen ist.

Von Anfang an ist man sich überhaupt nicht sicher was in dieser Geschichte los ist. Es gibt mehrere Erzählerinnen, denn wir lesen aus der Sicht von Francie, Collette, Nell und Winnie. Sie sind die wichtigsten Charaktere in der Geschichte, denn sie alle wollen wissen, was mit Baby Midas geschehen ist. Allen voran natürlich Winnie, doch aus ihrer Sicht kommt nur spärlich mal ein Kapitel. Mit ihr bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Sie lebt zurückgezogen, ist ruhig und gibt kaum etwas von sich preis. Niemand weiß so genau ob sie einen Mann hat und wenn nicht, wieso hat sie das nie erwähnt? Sie ist ein großes Geheimnis und das bleibt sie fast bis ganz zum Ende der Geschichte.

Francie ist fast schon die „Übermutter“. Sie sorgt sich wie keine andere der Mütter darum, was mit Midas geschehen ist. Sie will unter allen Umständen herausfinden wer der Täter ist und sie hört nicht auf zu recherchieren, eigene Ideen zu entwickeln und die Polizei mit ihren Gedanken zu nerven. Ich habe sie bis zum Ende als sehr anstrengend empfunden. Sie ist Überbesorgt, vertraut den Ermittlern nicht und scheint sehr unzufrieden mit ihrem eigenen Leben zu sein. Ich konnte mich mit ihr auch nicht so richtig identifizieren, weil sie ganz dringend die perfekte Mutter sein möchte und sich damit so sehr unter Druck setzt, dass, egal was auch los ist, sie ihre eigenen Erwartungen gar nicht erfüllen kann. Es hat mich wirklich sehr genervt, dass sie sich nicht entspannen konnte.

Collette war für mich am sympathischsten. Sie möchte eine fürsorgliche und gute Mutter sein, schafft jedoch die Work-Life-Balance nicht so richtig. Sie steht unter enormem Druck und bricht beinahe zusammen. Ich finde diese Darstellung gut gelungen, denn ich kann mir vorstellen, dass es vielen Müttern so geht. Man hat ein Neugeborenes zu Hause, kann aber den Mutterschaftsurlaub nicht so nehmen, wie man es gerne hätte. Vor allem, da diese Regelungen in Amerika ganz anders sind als bei uns in Deutschland (worüber wir hier wohl wirklich unglaublich froh sein können). Ich will natürlich nicht sagen, dass es jeder Mutter so geht, auf keinen Fall. Aber ich kann mir einfach vorstellen, dass dieser Druck eine „perfekte“ Mutter zu sein und gleichzeitig die eigene Arbeit gut zu machen, einen zermürben kann. Collette geschieht dies fast und das hat sie für mich sehr sympathisch gemacht. Sie wirkt authentisch, ehrlich und glaubhaft und das bis zum Ende der Geschichte.

Über Nell erfährt man erst im Laufe des Buches richtig viel. Sie hat so ihre Probleme mit sich selbst und ihrem Leben, doch wer hat die nicht? Auch sie hat damit zu kämpfen, was mit Midas geschehen ist und geht auf eine andere Weise damit um wie Francie und Collette. In ihrer Vergangenheit ist etwas geschehen, das sie am liebsten vergessen würde, doch durch diesen Fall von Midas und der Entführung wird auch Nells Leben auf den Kopf gestellt und als herauskommt, was sie so viele Jahre geheim gehalten hat, verändert sich für sie wieder alles. Sie zeigt, wie stark eine Frau sein kann, war mir wirklich gut gefallen hat.

Die Charaktere tragen vor allem die Geschichte. Man verfolgt, wie die Frauen mit der Situation umgehen. Wie sie die Presseberichte sehen und lesen. Wie sie selbst darüber nachdenken, was passiert ist und wer beteiligt war. Sie leben ihre Leben nicht einfach weiter, sondern alles scheint sich um Midas und sein Verschwinden zu drehen. Sie treffen sich, diskutieren und recherchieren. Sie bewegen sich auf gefährlichen Pfaden und das macht die unterschwellige Spannung des Buches aus. Manchmal gab es die ein oder andere Länge, manchmal dachte ich „jetzt könnte mal wieder etwas passieren“ und dann ist auch immer etwas passiert. Es gibt Höhen und Tiefen in der Geschichte, genauso wie es im Fall Midas Höhen und Tiefen gab.

Was bei mir aber wirklich Begeisterung ausgelöst hat war das Ende. Es passiert etwas, womit ich einfach überhaupt nicht gerechnet habe. Ich hatte unendlich viele Theorien was geschehen ist und eine hat sich teilweise als richtig herausgestellt aber auch auf eine andere Art und Weise wie ich es gedacht habe. Es war ein genialer Twist, der mich unerwartet getroffen hat. Ich fand es wirklich großartig. Und ein gutes Ende hat mich schon immer für sich einnehmen können.

Fazit

Vor allem die Charaktere dieses Buches tragen die Handlung. Alles wird von den Frauen bestimmt und man erlebt hautnah mit, wie es sein kann, den Boden unter den Füßen zu verlieren. In der Mitte gab es in meinen Augen ein paar Längen, die hätten vermieden werden können. Doch das Ende hat für mich noch einmal alles herausgerissen, denn es kam unerwartet und überraschend. Das, was geschehen ist, konnte ich mir nicht vorstellen und doch stand es da. Absolut genial gemacht. Eine klare Empfehlung von mir.

 

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3 Gedanken zu “Die Mutter | Aimee Molloy

  1. fraggle schreibt:

    Unabhängig davon, dass ich ein Buch mit einem solchen Plot wohl zurzeit nicht so gut lesen könnte: Wer sein Kind Midas nennt, hat sicherlich Defizite in der griechischen Mythologie. :-)

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Lesemonat Mai 2019

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