Die wandernde Erde | Cixin Liu

 

Die wandernde Erde

Titel: Die wandernde Erde – Erzählungen
Autor: Cixin Liu
ÜbersetzerInnen: Karin Betz, Johannes Fiederling, Marc Hermann
Format: Klappbroschur
Preis: 14,99 €
Seitenzahl: 649 Seiten
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-31924-0
Bewertung: 4 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Der Autor der preisgekrönten Trisolaris Trilogie hat Erzählungen geschrieben, deren Einfallsreichtum man sich kaum vorstellen kann. Mit all seiner Vorstellungskraft und seinem Talent zu schreiben hat Cixin Liu elf Novellen in einem Sammelband herausgebracht, der die Herzen der Fans des Sci-Fi Autors höher schlagen lassen. Eindrucksvoll zeigt Liu, dass er nicht nur meisterhafte Romane schreiben kann, sondern auch Novellen.


Dass „Die wandernde Erde“ von Cixin Liu erscheint hatte ich mir eigentlich vorgemerkt, weil mich dieser Sammelband unterschiedlicher Erzählungen des Sci-Fi Autors sehr interessiert hat. Als es dann erschien, habe ich es irgendwie verpasst. Deshalb war ich umso glücklicher, dass meine nicht mehr ganz so aktuelle Anfrage für dieses Buch doch vom Bloggerportal und Heyne bestätigt wurde und ich so in den Genuss dieser Novellen gekommen bin. Herzlichen Dank dafür!

Worauf ich mich eingelassen habe, ist mir direkt nach dem Lesen der ersten Geschichte, die dem Sammelband auch ihren Titel gegeben hat, wieder eingefallen. Cixin Lius Einfallsreichtum scheint kaum Grenzen zu haben. Er geizt nicht mit mutigen und gefährlichen Zukunftsszenarien, die eigentlich völlig abstrus sein müssten und doch logisch erscheinen, wenn er sie erklärt. Die Darstellungen seiner Weltuntergangsszenarien sind für mich nicht immer komplett nachvollziehbar gewesen, doch der Unterhaltungswert hat hier dann gesiegt.
Mit einem Schreibstil, der an die Seiten fesselt, vermag es Liu mich in unbekannte Welten zu entführen, die von den tiefen des Weltalls bis in den entfernten Kern der Erde führt. Seine Novellen regen aber nicht nur meine Fantasie an, sondern stoßen auch zum Nachdenken an. Er deutet mit dem Finger auf Missstände, die manche Autoren sich nicht getrauen überhaupt anzusprechen. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass er kein europäischer Autor ist, seine Sicht der Dinge ist geprägt durch China, was für mich besonders interessant war, da ich mich mit der chinesischen Kultur nicht gut auskenne. Hier kann auch der Anhang sehr interessant sein, da dieser die chinesische Sicht auf die Science-Fiction etwas erläutert und auch Bezug auf bestimmte Formen der Aussprache und der Sprache allgemein nimmt.

Meine liebste Erzählung aus diesem Sammelband ist eindeutig „Mit ihren Augen“. Sie ist die Kürzeste von allen und für mich doch die eindrücklichste gewesen. Auf wenigen Seiten hat es Liu geschafft mich glücklich und traurig zugleich zu machen und den Wert der Dinge, die ich habe, wieder etwas mehr zu schätzen. Er hat mich auf eine Weise berührt, die ich dem Autor eigentlich gar nicht richtig zugetraut habe, da seine Schreibweise zwar wirklich toll ist, aber oftmals nicht in die gefühlvolle Schiene gepasst hat, sondern eher etwas nüchtern war. So hat er mich mit dieser Erzählung doch überraschen können. Mein Herz hat ein wenig geblutet und ich hätte wirklich gerne mehr gelesen. Die wenigen Seiten waren für meinen Geschmack wirklich zu wenig auch wenn das Gefühl, das er mit Sicherheit transportieren wollte, praktisch ab der ersten Seite da war. Allein für diese Geschichte hat sich der Sammelband schon gelohnt.

Eine der darin abgedruckten Novellen habe ich schon als Einzelband im August gelesen: Weltenzerstörer. Wenn euch interessiert wie mir diese Novelle gefallen hat, könnt ihr meine Rezension dazu hier nachlesen.

Ganz ohne Kritik kann ich das Buch allerdings nicht davonkommen lassen. Die Punkte, die mich tatsächlich gestört haben, liegen aber weniger an den Erzählungen, als an der Art und Weise wie das Buch gestaltet bzw. aufgeteilt wurde.
Zu Beginn jeder Erzählung wird kurz erklärt wann die Novelle entstand, wie der Titel im Original heißt und ob die Novelle zu irgendeiner anderen Erzählung gehört, was erstaunlich oft der Fall war. Leider hat es Heyne irgendwie versäumt die Erzählungen dann auch in die richtige Reihenfolge zu bringen und so liest man die Geschichten, die eigentlich zusammen gehören, falsch herum. Auch wenn ich die Zusammenhänge teilweise nicht so richtig erkennen konnte, hätte ich als Verlag dann doch darauf geachtet diese in die richtige Reihenfolge zu bringen, um eventuelle Zugehörigkeiten deutlich zu machen.
Dass „Weltenzerstörer“ bereits als einzelnes Buch herausgekommen ist, habe ich weiter oben bereits erwähnt und in meiner Rezension damals habe ich auch ein wenig meinen Unmut darüber verlauten lassen, wieso die Erzählung einzeln erschienen ist. Mir hätte ein „entweder oder“ in diesem Fall wirklich gereicht, auch wenn ich die Novelle unglaublich gelungen und toll finde, so hätte eine einfache Ausführung doch gereicht.
Auch der Anhang an sich ist in Ordnung, deckt sich aber mit dem aus „Weltenzerstörer“, was in meinem Fall eben doppelt gemoppelt ist. Wer aber „nur“ den Sammelband hat, freut sich wahrscheinlich über die Erläuterungen, wenn man denn Interesse daran hat, etwas über die chinesische Schreibweise und die chinesische Science-Fiction erfahren möchte.
Am Ende findet sich eine Leseprobe zu „Die drei Sonnen“, dem Auftakt der Trisolaris Trilogie, was ich sehr schade finde. Ich denke die meisten Leser werden durch den Auftakt der Reihe auf Cixin Liu aufmerksam und nicht erst durch den Sammelband seiner Novellen. Daher hätte ich mir, wenn überhaupt, eine Leseprobe zu Band 3 gewünscht.

Fazit

Für mich als Fan des Autors und seiner Science-Fiction hat sich der Sammelband von Erzählungen wirklich sehr gelohnt. Es hat mir großen Spaß gemacht weitere Ideen von Cixin Liu zu lesen, darüber nachzudenken und mich voll auf diese Welt einzulassen. Natürlich gab es schwächere und stärkere Erzählungen, alles in allem aber war es ein toller Sammelband. Für Einsteiger in die Science-Fiction von Cixin Liu finde ich diese Sammlung allerdings nicht geeignet und würde eher „Die drei Sonnen“ oder „Spiegel“ empfehlen.

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