[Rezension] Unter dem Messer | Kelly Parsons

 

Unter dem Messer

Titel: Unter dem Messer
Autor: Kelly Parsons
Übersetzer: Michael Krug
Format: Taschenbuch
Preis: 10,00 €
Seitenzahl: 461 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17797-4
Bewertung: 2 Sterne

Rezensionsexemplar

Inhalt

Heute soll der große Tag von Rita Wu sein: die renommierte Chirurgin des Turner Hospitals soll die erste vollständig robotergesteuerte Operation durchführen. Doch dann hört sie kurz vor der Operation eine Stimme in ihrem Kopf. Die Stimme eines Mannes, den sie nur zu gut kennt: Morgan Finney.
Er teilt Rita ruhig mit, dass ihr ein Nano-Implantat injiziert wurde, wodurch er mit ihr sprechen und ihr Verhalten beeinflussen kann. Und Morgan Finney hat noch eine Rechnung mit Rita offen..


Als ich den Klappentext und die Leseprobe zu der Geschichte bei der Lesejury gelesen habe, war ich Feuer und Flamme. Ein Nano-Implantat im Kopf, das nicht nur Stimmen in den Kopf bringen können, sondern auch das Verhalten verändern kann. Einfach so. Ich habe eine Gänsehaut bekommen und wollte unbedingt wissen wohin die Geschichte geht. Als ich die Zusage für das Vorab-Exemplar bekommen habe, war ich sehr froh und gespannt auf das Buch. Herzlichen Dank dafür!

Der Beginn der Geschichte war sehr rasant und auch spannend. Man wird direkt ins Geschehen geworfen und hat kaum Anhaltspunkte sich zurecht zu finden, was mir am Anfang wirklich gut gefallen hat. So muss man sich selbst erlesen, was los ist und selbst überlegen was passiert sein könnte.
Die Geschichte ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, was einen Gesamtüberblick über die Geschehnisse bietet, was ich sehr gut finde. So lernt man nicht nur Rita kennen, die eine recht anstrengende Person ist. Sie ist erfolgreich und orientiert sich fast ausschließlich nach ihrer Karriere. Sie lässt niemanden an sich ran, versucht all ihre Probleme selbst zu lösen und handelt teilweise sehr egoistisch. Sie ist keine Sympathieträgerin, denn das, was zu  Beginn vielleicht als zielstrebig und mutig gehandelt werden kann, wird im Verlauf der Geschichte fast schon zu einer Art Übermenschlichkeit. Nichts und niemand kann sich ihr in den Weg stellen und das hat mich vor allem zum Ende hin sehr gestört. Ihre Art und ihr Verhalten wurden für mich immer unglaubwürdiger und so konnte ich Dr. Rita Wu am Ende der Geschichte nicht mehr ernst nehmen. Auch die Entwicklung ihres Charakters war für mich nicht glaubwürdig und deshalb war ich irgendwann nur noch genervt von der Protagonistin.

Auch Morgan Finney kommt im Buch zu Wort und wird als der Bösewicht vorgestellt, der der Ärztin ein Implantat injiziert hat. Er ist von Rachegelüsten durchdrungen und möchte unbedingt Rita Wus Untergang auslösen. Dabei schreckt er vor nichts zurück und nutzt all seine Ressourcen. Finney ist unglaublich intelligent, reich und skrupellos, was sich durch das komplette Buch zieht. Trotzdem handelt auch er teilweise komplett out of character. Er macht Fehler, die man ihm zu Beginn der Geschichte nicht zugetraut hätte und das hat mich eher mit einem Stirnrunzeln zurück gelassen. Wie kann ihm so etwas entgehen? Er hat alles akribisch geplant und dann passiert das? Auch hier fand ich den Charakter sehr unglaubwürdig, obwohl ich ihn zu Anfang genial gefunden habe.

Finney arbeitet jedoch nicht allein, Sebastian fungiert zunächst eigentlich als sein Handlanger, der ebenfalls seine Stimme im Buch bekommt. Doch hier zieht sich ebenfalls das Muster durch: keine Glaubwürdigkeit. Handlungen außerhalb dessen, wie man sich den Charakter vorgestellt hat. Teilweise hat vor allem Sebastian etwas sehr gezwungenes. Ich hatte das Gefühl, der Autor wollte ganz unbedingt, dass dieser Charakter mehrere Facetten hat, doch das ist ihm ganz und gar nicht gelungen. Viel näher kann ich nicht auf ihn eingehen, da das dann doch ein Spoiler wäre.

Die vierte Perspektive ist Spencer und in meinen Augen hätte ich seine Perspektive nicht gebraucht. Doch auch hier habe ich genau verstanden was der Autor mit ihm vor hatte. Quasi von Anfang an. Es war klar, was der Hintergrund ist und weshalb auch er zu Wort kommen musste und das war während des Lesens wirklich frustrierend. Ich wusste, was seine Aufgabe war und deshalb war nichts was er getan oder gedacht hat je überraschend für mich. Eher langweilig und ohne jegliche Spannung.

Letztlich ist die Grundidee atemberaubend. Ein Implantat, das einen Menschen quasi willenlos macht. Wie gruselig ist das? Was kann einem Menschen durch ein solches Implantat angetan werden? Es ist grauenvoll. Und doch hat der Autor nichts von dieser grauenvollen Situation genutzt. Die Stimmung hätte so viel düsterer, gruseliger und schrecklicher sein können. Doch die Atmosphäre im Buch war nur wenig spannend. Es hat sich immer auf wenige Seiten beschränkt und dabei ist nie wirklich etwas passiert. Man wusste als Leser, dass man auf einen Showdown hinliest und doch war es mir persönlich völlig egal. Die Charaktere waren mir egal, der Verlauf der Handlung war mir egal, denn ich habe mich nicht abgeholt gefühlt. Dem Autor ist es nicht gelungen mich in seine Geschichte zu ziehen, weil mir einfach der thrill gefehlt hat.

Und dann kam das Ende, das ich wirklich unglaublich schrecklich gefunden habe. Alles wird nur noch unrealistischer und unwirklicher. Man liest und liest und schüttelt eigentlich nur noch mit dem Kopf. Die Handlung soll spannend und rasant sein, doch für mich waren das alles nur aneinandergereihte Szenen, die wenig miteinander zu tun hatten. Das Große Ganze ist überhaupt nicht so abgelaufen, wie ich mir das vorgestellt habe. Es hat mir komplett an Spannung gefehlt und das Buch war für mich ganz und gar kein Thriller.

Fazit

Die Grundidee des Buches ist absolut gruselig und schrecklich. Doch der Autor hat jegliche Chance verstreichen lassen, diese grauenvolle Atmosphäre aufzubauen. Er hat sich in ellenlangen medizinischen Erklärungen verstrickt, hat Charaktere sinnlose Veränderungen durchmachen lassen und schließlich versucht irgendwie Spannung aufzubauen, was ihm jedoch nicht gelungen ist. Ich hatte keinen Spaß dabei das Buch zu lesen, weil es für mich kein Thriller war. Es gab wenige spannende Momente, wenig, was ich erraten konnte und nichts, bei dem ich dachte „Was passiert hier gerade“. Alles war klar und deshalb auch nicht überraschend. So auch das Ende, welches mich unfassbar aufgeregt und sehr genervt hat. Die Geschichte hatte ein unglaubliches Potenzial und daraus wurde leider nichts gemacht.

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