The Woman in the Window – Was hat sie wirklich gesehen? | A.J. Finn

the woman in the window

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Titel: The Woman in the Window – Was hat sie wirklich gesehen?
Autor: A. J. Finn
Übersetzer: Christoph Göhler
Format: Klappbroschur
Preis: 15 €
Seitenzahl: 544 Seiten
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0641-4
Bewertung: 4-Sterne

Inhalt

Anna Fox ist seit einem traumatischen Erlebnis in ihrem Haus gefangen. Sie schafft es nicht die Schwelle ihrer Tür zu überschreiten. Deshalb verbringt sie ihre Tage mit Schwarz-Weiß Krimis, Wein und ihren Nachbarn, die sie vom Fenster aus beobachtet. Sie ist nicht glücklich, hat sich mit ihrer Situation aber abgefunden. Bis die Russels ins Haus gegenüber einziehen. Vater, Mutter und Kind, genau wie sie vor ihrer Krankheit. Sie sehnt sich zurück in diese Zeit und als ihre neue Nachbarin sie besucht wird diese Sehnsucht noch größer. Kurze Zeit später muss Anna ein schreckliches Verbrechen mit ansehen und möchte unbedingt helfen, doch wie soll sie das bewerkstelligen, wenn sie nicht aus dem Haus kann? Als ihr vor Panik schwarz vor Augen wird und sie im Krankenhaus wieder erwacht will ihr niemand glauben schenken. Anscheinend ist nichts passiert und plötzlich weiß Anna nicht mehr was wahr ist und was nicht.


Durch eine E-Mail vom Verlag bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden und war direkt begeistert. Der Klappentext hat mich angesprochen und die Thematik war mal wieder etwas anderes. Eine Frau, die ihr Haus nicht verlassen kann und schließlich nicht mehr weiß was sie wirklich gesehen hat. Ich war Feuer und Flamme und habe mich sehr darüber gefreut, dass ich das Rezensionsexemplar vom Bloggerportal  zugeschickt bekommen habe.

Der Einstieg in die Geschichte ist super einfach. Man lernt Anna und ihre Krankheit sehr genau kennen und durchlebt mit ihr das, was für sie bereits 11 Monate Alltag ist. Wie sie sich Wein einschenkt, online chattet oder Schach spielt und sich schwarz-weiß Krimis ansieht. Außerdem stellt sie dem Leser ihre Nachbarn vor. Mit ihrer Nikon kann sie bis in die Wohnzimmer zoomen und beobachten, was draußen vor sich geht. Man bekommt in knapp 200 Seiten ein Gefühl für Anna und ihre Situation. Allerdings dauert es wirklich lange, bis endlich etwas passiert. Es ist nicht so, dass man nicht schnell durch die Seiten kommt, denn der Schreibstil ist sehr angenehm, einfach und leicht zu lesen. Außerdem möchte man natürlich zum spannenden Teil des Buches kommen, der erst ab Seite 200 so wirklich beginnt. Für meinen Geschmack war das dann doch zu lange. Das Buch hätte gar nicht so dick sein müssen, um all das zu transportieren, was in der Geschichte passiert ist.

Ich kann nicht direkt sagen, dass Anna mir sympathisch war. Ich mochte sie eigentlich nicht wirklich. Sie kommt überhaupt nicht mit sich selbst und ihrer Situation zurecht, obwohl sie so tut als wäre es so. Sie nimmt ihre Tabletten nicht und wenn, dann nur unregelmäßig und in Kombination mit Wein. Sehr viel Wein. Sie möchte sich von ihrem Psychologen nicht wirklich helfen lassen, ignoriert Versuche von Außen, ihr zu helfen und verkriecht sich lieber. Ich weiß natürlich, dass sie unter Agoraphobie leidet und kann mir nur begrenzt vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man diese Krankheit hat. Trotzdem kann ich kein Verständnis dafür haben, wenn man nicht einmal die Medikamente einnimmt, die einem helfen einen Weg zu finden, mit seinem Leben etwas besser zurecht zu kommen. Natürlich ist mein Blick, was das angeht, nicht für eine solche Krankheit sensibilisiert aber das hat mich doch sehr an Anna gestört. Sie geht unverantwortlich mit ihrer Gesundheit um, indem sie sich selbst nur noch mehr schadet.

Als Anna dann Zeugin des Verbrechens wird und versucht zu helfen konnte der Autor mir ihre Verzweiflung wirklich perfekt nahebringen. Ich habe mit ihr gelitten und mit ihr darum gerungen, was nun zu tun ist. Allerdings nehme ich als Leser nur das wahr, was Anna wahrnimmt und deshalb ist mein Blick getrübt. Das erste Mal wird dies besonders deutlich, als Anna im Krankenhaus erwacht und man ihr die Tonaufnahme ihres Notrufs vorspielt: sie lallt. Dass ihr niemand glaubt konnte ich spätestens dann verstehen und ich habe ihr als Leser dann auch nicht mehr vertraut. Was, wenn sie sich alles nur eingebildet hat? Was, wenn ihre Krankheit, die Kombination aus Tabletten und Alkohol, sie zu Wahnvorstellungen gebracht haben? Ich wollte genauso sehr wie Anna herausfinden, was wirklich vor sich gegangen ist. Und dieses Gefühl, dass man wirklich keinem trauen kann und niemand weiß, was wahr ist und was nicht, hat durch das gesamte Buch hinweg angehalten. Ich habe ständig eine Gänsehaut bekommen, weil ich einfach nicht wusste, was wahr ist und was nicht. Es war beängstigend und das hat für mich auch dieses Buch besonders gemacht. Genau so möchte ich mich fühlen, wenn ich ein solches Buch lese.

Das Tempo nahm nach diesem Ereignis deutlich zu und der Autor hat sich sehr gut darin verstanden mich in dem, was ich glaube, zu verunsichern. Es wurde schließlich etwas offenbart, das ich längst vermutet hatte und ich bin mir nicht sicher, aber das hätte wohl einer der größeren Twists sein sollen. Für mich war das aber überhaupt kein Twist, sondern fast von vorneherein klar. Ich bin nicht überrascht oder geschockt gewesen und ein kleiner Funke Enttäuschung hat sich dann schon eingeschlichen, weil ich mit sehr viel mehr gerechnet habe, als dem, was ich bekommen habe.

Gegen Ende nahm das Ganze dann noch mehr Fahrt auf und es gab eine Entwicklung, die ich auf diese Weise habe nicht kommen sehen, die mir aber auch nicht gefallen hat. Es war mir einfach eine Spur zu viel und zu übertrieben. Ich habe mir einfach einen etwas anderen Ausgang für die Geschichte gewünscht und es hätte ruhig etwas offener sein können, damit dieses Gefühl, dass man nicht weiß, was eigentlich abgeht, nicht weg geht. Durch dieses Ende wurden alle ungeklärten Momente aufgelöst und die Gänsehaut ist verschwunden. Das wäre für meinen Geschmack gar nicht nötig gewesen.

Fazit 

Es hat dennoch großen Spaß gemacht dieses Buch zu lesen . Der Schreibstil ist kurzweilig und durch die wenigen Charaktere kann man sich auf diese und das Geschehen in dem Buch voll und ganz konzentrieren. Das Gefühl, dass man niemandem trauen kann war durch die ganze Geschichte hindurch da und das hat mir an diesem Buch besonders gefallen. Der Twist war für mich nicht sehr überraschend und das Ende nicht komplett zufriedenstellend. Ich hätte mir einen größeren „What-the-fuck“ Moment erhofft und vielleicht auch keine komplette Auflösung. Das Buch hat mir aber doch großen Spaß gemacht und ist für Fans von Thrillern eine große Empfehlung.

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5 Gedanken zu “The Woman in the Window – Was hat sie wirklich gesehen? | A.J. Finn

  1. swappinghowdies schreibt:

    Ich lese gerade das Buch und bin auf den letzten 100 Seiten angelangt. Jetzt bin ich wirklich auf den letzten Twist gespannt… Mich hat die mittlere Enthüllung übrigens auch nicht wirklich überrascht.

    Im Klappentext hat sich ein Fehler eingeschlichen, den Du übernommen hast. Die Nachbarn heißen Russell (nicht Russel). ;)

    Super Rezension — und ich lese jetzt noch schnell den Rest des Buches.

    Liebe Grüße,
    Birgit

    Gefällt 1 Person

  2. Vera schreibt:

    Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen, obwohl es so langsam anfing…
    War dein Cover auch so anfällig? Bei meinem ist – obwohl ich sehr vorsichtig gelesen habe – die Farbe an den Rändern abgegangen…

    Gefällt 1 Person

    • Anna schreibt:

      Nein, bei meinem Cover sind die Farben da geblieben, wo sie sein sollten.. Sehr blöd, dass das bei dir abgegangen ist…

      Gerade die ruhige Atmosphäre hat das Buch irgendwie auch ausgemacht. Es hätte wahrscheinlich nicht so gut funktioniert, wäre alles Schlag auf Schlag gegangen..

      Gefällt 1 Person

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