[Rezension] Phantasmen | Kai Meyer

Phantasmen

Autor: Kai Meyer
Titel: Phantasmen
Format: Hardcover
Preis: 8,99 € (nur noch als TB und E-Book erhältlich)
Seitenzahl: 398 Seiten
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-31521-2
Bewertung: 2-Sterne

Inhalt

Plötzlich tauchen sie überall auf der Welt auf: Geister der Toten. Sie stehen einfach da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich und stündlich werden es mehr. Die Schwestern Rain und Emma warten in der einzigen Wüste Europas auf das Erscheinen ihrer dort verunglückten Eltern. Doch irgendetwas stimmt nicht, denn als die Geister erscheinen lächeln sie und es ist kein freundliches Lächeln.

Ganz spontan habe ich nach diesem Buch gegriffen, denn es steht schon sehr lange in meinem Regal und wollte nun endlich gelesen werden. Da ich letztes Jahr sehr begeistert von Kai Meyers „Dschinnland“ war, habe ich erwartet, dass auch Phantasmen mich in seinen Bann ziehen kann. Leider hat das überhaupt nicht funktioniert.

Die Geister gehören bereits fest in die Welt von Rain und Emma, als die beiden sich auf die Reise nach Spanien machen, um den Absturzort des Flugzeugs zu besuchen, in dem ihre Eltern ums Leben gekommen sind. Sie haben sich mittlerweile daran gewöhnt, dass irgendwo leuchtende Geister herumstehen, die nichts tun als ins Nichts zu starren. Je weiter man von der Zivilisation entfernt ist, desto weniger Geistern begegnet man. Den Schwestern ist mittlerweile klar, dass die Zahl der Geister wohl weiter steigen wird und es nicht mehr lange dauert bis sie die Zahl der lebenden Menschen übersteigt. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass keine der beiden sich allzu große Sorgen darum macht, ob es diese Geister nun gibt oder nicht. Sie haben sie einfach in ihre Lebenswelt integriert, sind vielleicht nicht begeistert davon, stören sich aber nicht weiter daran.

Überhaupt hat mich das Verhalten der Mädchen das ganze Buch über sehr gestört. Ich habe nicht komplett verstehen können, was mit der 17jährigen Emma los ist. War der Verlust der Eltern für sie derart traumatisch, dass sie ihre kompletten Gefühlsregungen abgeschaltet hat oder hat sie autistische Züge? Es wird nicht aufgeklärt und ich tappe weiterhin im Dunkeln. Sie ist mir zwar nicht zugänglich gewesen, jedoch hat sie in jeglichen Situationen den Überblick behalten und immer einen kühlen Kopf. Sie entscheidet in wichtigen Momenten und rettet dabei nicht nur sich selbst den Hals.
Ganz anders ist Rain, die zwei Jahre älter ist als Emma und sich nicht halbwegs so vernünftig aufführt. Die Eltern der Schwestern haben jahrelang als Entwicklungshelfer in Afrika gearbeitet und vor allem Rain hat sich dadurch von ihnen verlassen und nicht beachtet gefühlt. Als sie ihren Abschluss gemacht hat beschließt sie dennoch, nach Afrika zu reisen, um vielleicht nachvollziehen zu können, wieso ihre Eltern vermeintlich viel lieber dort waren, als bei ihren Töchtern. Doch Afrika entpuppt sich für Rain als einen wahren Albtraum, der sie bis zurück nach England verfolgt. Und das erzählt sie in jeder nur erdenklichen Situation. Als Leser weiß man, etwas traumatisches ist ihr zugestoßen, doch es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis das Geheimnis endlich gelüftet wird. Ich konnte es wirklich irgendwann nicht mehr hören, denn das, was sie innerhalb des Buches erleben, war mir Actionreich genug.
Und dann ist da noch Tyler der geheimnisvolle Norweger, der die Schwestern zu Beginn des Buches aus einer gefährlichen Situation rettet und sie kurzerhand mitnimmt, um einem großen Geheimnis auf die Spur zu kommen. Seine Beweggründe, dieses Geheimnis zu lösen, konnte ich nachvollziehen, doch viel mehr hatte ich nicht für ihn übrig. Er ist grüblerisch, still und übt eine Anziehungskraft auf Rain aus, die ich nicht spüren konnte. Diese Liebesgeschichte, die sich da langsam angebahnt hat, war für mich völlig aus dem Nichts gegriffen und absolut unnötig.
Im Großen und Ganzen waren für mich die Charaktere in dieser Geschichte farblos, langweilig und nichtssagend. Es wurde zwar mit Emma versucht einen besonderen Charakter einzubauen, doch in meinen Augen ist das überhaupt nicht gelungen. Ich habe keinerlei Verbindung zu den handelnden Personen aufbauen können und deshalb haben mir auch sämtliche Emotionen gefehlt.

Die Handlung an sich war mir viel zu wirr, zu schnell und ohne strukturierte Zusammenhänge. Man wurde gefühlt von Ort zu Ort geschleudert ohne wirklich zu wissen wieso und wozu das alles dient. Auch die Entwicklung im Bezug auf die Geister war mir viel zu abstrus und nicht plausibel genug, als dass ich es hätte ernst nehmen können. Je weiter ich in die Geschichte vordrang, desto schlimmer ist es geworden. Der absolute Vogel hat Meyer jedoch abgeschossen, als Emma und Rain ihrem Ziel sehr nahe sind und dann von etwas verfolgt werden. Ich kann nicht mehr dazu sagen aber da musste ich dann einen Moment das Buch zuklappen und durchatmen, um es nicht quer durchs Zimmer zu schleudern. Viel absurder und sinnloser kann es dann nicht mehr werden.

Das Ende hat meines Erachtens nach ebensowenig zur Geschichte gepasst, wie die gezwungenen Actionszenen. Ich hätte mir einen sehr viel dramatischeren Ausgang gewünscht, der den Weltuntergang in seinem ganzen Ausmaß darstellt. Auf diese Weise beendet man kein Buch mit einem Plot, der die gesamte Existenz der Menschheit in Gefahr bringt.

Fazit

Das Buch hat mich leider komplett enttäuscht. Weder die Charaktere, noch die Handlung konnten mich überzeugen. Einzig der Schreibstil und die Idee hinter der Geschichte konnten mich ein wenig begeistern, jedoch hielt diese Begeisterung wirklich nur für kurze Zeit an. Es war kurzweilig zu lesen, hat meine Erwartungen aber überhaupt nicht erfüllt. Ich konnte keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen, die Handlung war für mich völlig abstrus und das Ende hat mir leider nicht zugesagt. Ich kann euch das Buch deshalb nicht empfehlen.

 

10 Gedanken zu “[Rezension] Phantasmen | Kai Meyer

  1. msmedlock schreibt:

    Hallo, Anna!
    Oh, wie schade! Ich mag „Phantasmen“ sehr, aber irgendwie scheine ich damit allein dazustehen. :(
    Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich das Buch zuerst als Hörbuch gehört habe. Maria Koschny macht wirklich was Tolles aus der Geschichte. :)
    Welches war denn das andere Meyer-Buch, das dir nicht gefallen hat?
    LG, m

    Gefällt 1 Person

    • Anna schreibt:

      Huhu (:

      Ist doch schön, dass dir das Buch gefallen hat (: das kann natürlich sein.. Sprecher können eine Geschichte ganz anders rüberbringen (:
      Ich habe noch „Die Seiten der Welt“ gelesen und das hat mich auch nicht so vom Hocker gerissen, was super schade ist, weil ich die Thematik eigentlich toll finde..

      Liebe Grüße! (:

      Gefällt mir

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