Im Jahr des Affen | Que Du Luu

imjahrdesaffen

Titel: Im Jahr des Affen
Autor: Que Du Luu
Format: Hardcover
Preis: 16,99 €
Seitenzahl: 286 Seiten
Verlag: Königskinder
ISBN: 978-3-551-56019-3
Bewertung: 3-Sterne

Inhalt

Mini ist ein junges Mädchen, das nicht so recht weiß wohin sie gehört. Sie sieht aus wie eine Chinesin, fühlt sich jedoch durch und durch Deutsch. Ihr Vater hingegen ist ganz anders. Er spricht nur gebrochen Deutsch und betreibt ein Chinarestaurant. Als er ins Krankenhaus kommt muss Mini im Restaurant schuften, sich mit dem trotzigen Koch herumschlagen und sich auch noch um den angereisten Onkel Wu kümmern. Und dieser bringt auch die Vergangenheit mit: das frühere Leben und die Flucht als Boatpeople aus Vietnam.


Ich habe mir etwas anderes vorgestellt und war deshalb etwas enttäuscht von der Geschichte. 

Wie so viele Menschen flüchten Minh Thi, genannt Mini, und ihr Vater mit dem Boot aus Vietnam. 13 Jahre später leben die beiden in Deutschland. Mini lebt wie ein ganz normaler Teenager: sie geht auf ihre ersten Partys, verliebt sich und freut sich auf den bevorstehenden Sommer. Ihr Vater hingegen hat sich von seinen Wurzeln noch nicht gelöst, spricht nur schlecht Deutsch und hat außer seinem Restaurant weder Freunde noch sonstige Kontakte. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein.

Gerade dieser Unterschied arbeitet die Autorin sehr ruhig und distanziert heraus. Mini erzählt die Geschichte sehr langsam und beinahe schon unterkühlt. Es war für mich sehr schwer einen Zugang zu ihr zu finden. Sie hat völlig nüchtern von ihrem Leben erzählt, sich sehr egoistisch und auch unfair gegenüber ihren Freundinnen verhalten und vor allem die Beziehung zu ihrem Vater hat mir überhaupt nicht gefallen. Sie behandeln sich zwar respektvoll und sind freundlich zueinander. Mehr aber auch nicht. Die Herzlichkeit und Liebe, überhaupt jegliche Gefühle, haben mir komplett gefehlt. Alles wirkt sachlich und weit entfernt, als hätte Mini selbst überhaupt nichts damit zu tun.
Gleichzeitig hat mich die Liebesgeschichte, die völlig unvermittelt begonnen hat, genervt. Es war unnötig, diese mit in die Geschichte einzubauen, weil sie nichts für die Handlung getan hat. Weder für die Probleme, die Mini mit ihrer eigenen Identität hat, noch für die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit. Für mich war sie auch völlig an den Haaren herbei gezogen, weil sie Bela kennen gelernt hat indem er ihre beste Freundin beleidigte. Das wäre für mich spätestens ein Grund gewesen, diesem Kerl keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Mini jedoch verliebt sich und irgendwie scheint er sie auch ganz toll zu finden. Da Mini aber nie über ihre Gefühle spricht, habe ich als Leser keine Ahnung wie sie wirklich zu ihm steht und ich habe daher nicht dieses Gefühl gehabt, dass sie wirklich verliebt ist. Mal davon abgesehen, dass sie ihn ja gar nicht kennt.

Im Jahr des Affen

„Meinem Vater nach sollte ich auf alles Chinesische stolz sein, aber ich wusste nicht, was er damit meinte.“ (S. 209)

Onkel Wu bringt langsam aber sicher Licht in das Dunkel. Er schweigt nicht über die gefährliche Flucht aus Vietnam, sondern spricht darüber. Man hat das Gefühl, dass er sich wirklich damit auseinander gesetzt und seinen Frieden gemacht hat. Minis Vater hingegen hat nie mit ihr darüber gesprochen. Sie hat keine Ahnung wie beinahe alles, das ihr Leben betrifft, miteinander verstrickt ist. Mich als Leser hat es sehr interessiert, wie die Familie nach Deutschland gekommen ist und was für Strapazen sie erleiden mussten. Onkel Wu liefert diese Informationen und man merkt, wie sich in Mini etwas verändert. Sie denkt viel mehr über ihre Herkunft nach, über das, was ihrer Familie zugestoßen ist und versucht das, was ihr Vater versäumt hat, nachzuholen.

Das, was dieses Buch wohl zu etwas ganz Besonderem macht, ist die Beziehung zur Sprache. Auch wenn Mini und ihr Vater enorme Sprachprobleme haben, schließlich spricht er nur gebrochen Deutsch und Mini kaum Chinesisch, so bekommt man ein wenig Gefühl für die Sprache und ihre Eigenarten. Diese Stellen im Buch haben mir am meisten Spaß gemacht und mir auch wieder dieses Königskinder Gefühl gegeben. Endlich das Besondere, endlich das, was ich gesucht habe. Auch wenn die Stellen eher rar waren, so haben sie für mich das Ruder leicht herumgerissen.

Fazit

Que Du Luu erzählt eine sehr ruhige Geschichte, die von Ungleichheit, Zugehörigkeit und Identität handelt. Leider habe ich mir etwas anderes unter dem Buch vorgestellt und bin dementsprechend etwas enttäuscht gewesen. Die Geschichte wurde mir einfach zu distanziert und unterkühlt erzählt. Mir haben die Gefühle gefehlt. Wer jedoch ruhigere Geschichten mag, kann gerne zu diesem Buch greifen.

 

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