Heartware | Jenny-Mai Nuyen

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Titel: Heartware
Autor: Jenny-Mai Nuyen
Format: Klappbroschur
Preis: 14,99 €
Seitenzahl: 411 Seiten
Verlag: Rowohlt Polaris
ISBN: 978-3-499-26707-9
Bewertung: 2-Sterne

Inhalt

Um seine kriminelle Vergangenheit zu vergessen bleibt Adam Eli fast ausschließlich in seiner Wohnung. Als Ghostwriter muss er keinen persönlichen Kontakt mit Kunden aufnehmen, was ihm nur recht ist. Trotzdem kann er sein altes Leben nicht komplett hinter sich lassen, denn etwas, oder besser, jemand, spukt immer noch in seinen Gedanken herum auch wenn die letzte Begegnug beinahe ein Jahrzehnt zurückliegt: Willenya. Die Liebe seines Lebens, die ihn verraten hat.
Doch dann bekommt er eine ominöse E-Mail, in dem ihm vorgeschlagen wird Will zu suchen und Adam Elis gesamte Welt gerät ins Wanken.

Das Buch verspricht atemlose Spannung, die Jagd nach der Wahrheit und die Suche nach einer jungen Frau.. letzteres wird tatsächlich umgesetzt, alles andere hat sehr auf sich warten lassen.

Von Jenny-Mai Nuyen habe ich vor „Heartware“ noch nichts gelesen, allerdings nur Positives gehört. Die Autorin bewegt sich eigentlich im Jugendfantasy / Jugendbuchbereich und hat nun ihren ersten Thriller veröffentlicht. Als der Rowohlt Verlag mir das Buch angeboten hat, habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Es klang nach einem spannenden Thriller. Thema soll eine Hetzjagd nach einer jungen Frau sein, die viele Geheimnisse zu haben scheint und ich wollte wissen, was in diesem Buch passiert und habe mich deshalb sehr darüber gefreut es lesen zu dürfen. Vielen Herzlichen Dank an dieser Stelle, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Was ich direkt am Anfang anmerken muss ist, dass ich euch davon abrate den Klappentext zu lesen. Ich habe, was das angeht, oft ein schlechtes Gedächtnis und deshalb hat mich das, was hinten drauf steht, nicht weiter gestört. Für die Rezension habe ich noch einmal gelesen, was der Klappentext verrät und es ist eigentlich auch schon alles, worum es in diesem Buch geht. Wer komplett gespoilert werden will, der sollte sich den Klappentext vornehmen. Ich habe den Inhalt in meiner Rezension extra auf ein Minimum beschränkt, weil ich das Rätselraten in dieser Geschichte nicht behindern möchte. Der ausgewählte Klappentext geht für mich überhaupt nicht, weil die gesamte Spannung, das Rätseln und Kombinieren einfach vorweg genommen wird. Also bitte lest diesen Klappentext nicht, wenn ihr ehrliches Interesse an dem Buch habt.

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„Ich muss gestehen, dieses Gefühl der Leere war angenehm. Fast wie ein Rauschzustand. Ich war todesmutig, unbesiegbar, während ich in den Abgrund stürzte. Denn jetzt gab es nichts mehr zu verlieren.“ (S.180)

Der Prolog des Buches hat mich perfekt auf die Thematik vorbereitet. Es geschieht etwas, das man sich so momentan nur schwer vorstellen kann, das ich aber nicht für unmöglich halte. Die Aufregung über das, was da passiert ist, hat mich richtig ergriffen und ich wollte unbedingt wissen, was es damit auf sich hat.
Doch die folgenden Kapitel starten eine Woche vor dem Ereignis im Prolog. Allerdings nicht weniger rasant und mit einer ähnlichen Spannung. Man wird direkt mit vielen Fragen konfrontiert, deren Antwort man unbedingt herausfinden möchte. Gleichzeitig werden in den ersten 70 Seiten sämtliche wichtigen Charaktere eingeführt und vorgestellt, was ich auf der einen Seite natürlich gut gefunden habe, denn ich möchte schließlich wissen, mit wem ich meine Zeit verbringe, auf der anderen Seite hätte ich gut darauf verzichten können, denn wirklich niemand der Protagonisten war ein Sympathieträger. Natürlich muss ich die Charaktere in einem Buch nicht unbedingt nett finden, aber ich sollte irgendwie eine Verbindung aufbauen können. Weder bei Adam Eli, noch bei Mariel Marigny ist mir das gelungen.

Adam ist ein in sich gekehrter Mann, der seit seinen Erlebnissen in der Vergangenheit halb mit dem Leben abgeschlossen hat. Er hat einen schrecklichen Schlaf-Wach-Rhythmus,  kümmert sich überhaupt nicht um sich und seine Wohnung und ihm scheint eigentlich alles völlig egal zu sein. Als Ghostwriter verdient er sein Geld, denn dafür muss er nicht aus dem Haus und mit irgendwelchen Menschen persönlich kommunizieren. Er hat Willenya fast zehn Jahre nicht gesehen und hängt noch immer an der Frau, als wären sie gestern voneinander getrennt worden. Kaum hat er die Mail gelesen gerät alles, was er um sich herum aufgebaut hat, ins Wanken. Er kann nur noch an diese Frau denken, die ihn in der Vergangenheit verraten hat. Das hat mich von Anfang an gestört. Er ist nicht wütend, enttäuscht oder verletzt. Er kann diese Frau einfach nicht loslassen, obwohl sie der Grund für so vieles Leid in seinem Leben gewesen ist. Das habe ich von Anfang an nicht nachvollziehen können. Außerdem hat er eine Art Phobie gegen Berührungen ausgebildet, er hat große Schwierigkeiten damit, andere Menschen anzufassen oder angefasst zu werden. Diese Phobie hat sich aber nur selten geäußert und wie diese sich geäußert hat, hat in mir eher ein Stirnrunzeln hervorgerufen. Das war etwas, das völlig unnötig war und nichts für die Handlung an sich getan hat. Zwar ist diese Phobie vor allem ein wichtiger Teil, wenn es um die Vergangenheit von Adam geht, allerdings hätte dies auch anders gelöst werden können. Mich hat das eher gestört.

Über Mariel Marigny erfährt man im gesamten Buch eigentlich nur recht wenig. Sie arbeitet als Hackerin und hat den Auftrag gemeinsam mit Adam Eli Willenya ausfindig zu machen. Sie scheint in ihrem Fachgebiet brilliant zu sein, lässt sich aber von Adam mehrfach auf subtile Weise austricksen. Gleichzeitig scheint sie von Selbstzweifeln zerfressen zus ein, tritt aber auf, als wäre sie eine Sexgöttin, obwohl sie das ja eigentlich gar nicht will. Ich bin aus dieser Frau überhaupt nicht schlau geworden. Nichts hat wirklich zusammen gepasst und die Geschichten, die sie immer mal wieder über sich erzählt, haben mich in komplettes Unverständnis gestürzt. Ich denke ihre Rolle im Buch hätte zusätzlich noch Stoff für Verwirrungen und Paranoia stiften sollen, doch man muss nicht sehr aufmerksam sein, um herauszufinden, was gespielt wird.

Der Erzählstrang rund um die Vergangenheit von Adam Eli und Will ist zwar gut in die Geschichte eingefügt, allerdings ist diese besondere Beziehung zwischen den beiden bei mir auf völliges Unverständnis gestoßen. Ich habe weder diese Anziehungskraft zwischen den beiden gespürt, noch diese seltsame Art von Liebe, die sie geteilt haben. Zuerst klingt es nach einer Teenie-Lovestory und dann gerät das alles irgendwie in eine völlig abstruse Bahn, die ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Die beiden tun so, als würden sie den gesamten Schmerz der Welt tragen müssen und leiden beide irgendwie so vor sich hin. Ich weiß nicht, ob ich dafür einfach zu unsensibel bin, zu begriffsstutzig oder ob es wirklich so seltsam ist, wie ich es empfunden habe. Diese Geschichte zwischen den beiden hatte für mich nichts romantisches, schönes oder besonderes, sondern nur etwas völlig absurdes. Da konnte der Schreibstil der Autorin auch nichts mehr retten, der wirklich sehr schön und gut zu lesen ist. Jenny-Mai Nuyen kann wunderbar schreiben aber das hilft hier nichts mehr.

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„Die eigenen Gefühle sind in der Gegenwart nicht verlässlicher als in der Erinnerung.“ (S. 284)

Das Buch sollte wohl auf irgendeine Art und Weise nicht nur ein Thriller, sondern auch noch besonders tiefgründig sein und die Abgründe der Menschheit aufzeigen. Doch diese philosophischen Einstreuungen haben mich nicht wirklich von sich beeindrucken können und haben damit komplett das Erlebnis eines Thrillers zerstört. Keine Spannung, keine Action, nur viel Gerede um nichts. Es wird durch die halbe Welt gejettet und es passiert rein gar nichts. Ich habe über 300 Seiten lesen müssen, bis endlich irgendetwas vonstatten ging und das, was dann so halb aufgelöst wurde, hat mir überhaupt keine Befriedigung gebracht. Wer den Klappentext gelesen und sich gemerkt hat, was darin stand, der weiß sowieso schon die ganze Zeit um was es sich eigentlich dreht, womit die über 400 Seiten sowieso überflüssig wären.

Wie hier schon sehr deutlich anklingt passiert auf gut 200 Seiten einfach nichts. Die Protagonisten reisen von Ort zu Ort und tun dort überhaupt nichts. Sie finden nichts heraus, sie liefern keine Antworten und kommen Will nicht einen Schritt näher. Es geschieht einfach nichts. Die eingestreuten tiefgründigen Gespräche haben überhaupt nichts zur Handlung beigetragen und mich irgendwann nur noch genervt. Es kommt zu keiner Sekunde irgendeine Spannung auf und Thriller auf das Buch zu schreiben finde ich völlig fehl am Platz. Als ich das Buch dann fast komplett durch hatte kam die Auflösung und ich fand diese so schrecklich an den Haaren herbeigezogen, dass ich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte. Dass so etwas in der Art möglich sein kann, möchte ich gar nicht abstreiten, aber so wie hier beschrieben? Das zweifle ich doch etwas an. Es ist für mich einfach nicht nah genug an der Realität. Ich bin allerdings auch nicht vom Fach und kenne ich mich dahingehend nicht sehr gut aus, also sollte mich da jemand berichtigen können: nur zu.
Letztlich hat für mich am Schluss überhaupt nichts auch nur Ansatzweise einen Sinn ergeben. Beide Protagonisten verhalten sich am Schluss so überhaupt nicht wie ich es erwartet habe und letztlich hat das auch überhaupt nicht zu ihnen gepasst. Die Charaktere sind ganz anders gezeichnet worden, als das ich glauben kann, dass das Ende so läuft, wie es war.

Fazit

Heartware besticht mit einem tollen Schreibstil und einer interessanten Grundidee. Der Start ist grandios, doch das war es auch schon, was mich an diesem Buch fesseln konnte. Die Handlung bleibt irgendwann stehen und das Ende ist für mich ohne großen Sinn. Die Charaktere verhalten sich am Schluss überhaupt nicht so, wie sie eigentlich beschrieben werden und die technische Seite hat für mich auch nicht wirklich gepasst. Gleichzeitig möchte das Buch auch noch irgendwelche philosophischen Ansätze aufzeigen, doch auch damit ist es bei mir gescheitert. Alles war irgendwie völlig wirr und abstrus und hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Leider überhaupt nichts für mich.

 

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6 Gedanken zu “Heartware | Jenny-Mai Nuyen

  1. Julia L. Jordan schreibt:

    Huhu :)
    Du hast eine schöne, ausführliche Rezension zu diesem Buch geschrieben. Ich selbst fand es tatsächlich ziemlich gut, weil mich die philosophischen Fragen sehr interessiert haben. Aber gleichzeitig verstehe ich deine Kritik sehr gut, gerade weil du dir so viel Mühe gegeben hast, deine Gedanken zu erklären. Deswegen habe ich mir die Freiheit genommen, deine Rezension unter meiner zu verlinken. Falls du das nicht willst, sag mir einfach Bescheid, dann entferne ich den Link wieder.

    Liebe Grüße,
    Julia

    Gefällt 1 Person

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