Der Bruder des Königs | George R. R. Martin & Gardner Dozois

der bruder des königs_rezension

Inhalt

Hand aufs Herz: wer mag nicht auch gerne die Schurken in Geschichten? Die, die sich nicht immer an die Spielregeln halten. Die, die öfter einmal über die Stränge schlagen und trotzdem gerne einmal den eigentlichen Helden in den Schatten stellen. Denn was wäre beispielsweise Star Wars ohne Han Solo? Oder Game of Thrones ohne Tyrion Lennister? Genau dieser Frage sind George R. R. Martin und Gardner Dozois nachgegangen und haben 21 Geschichten zusammengetragen, die sich rund um Halunken und Bösewichte drehen. An dieser Anthologie sind hochkarätige Schriftsteller beteiligt, wie zum Beispiel Joe Abercrombie oder Patrick Rothfuss.

Eine Anthologie, die den Bösewichten gewidmet ist. Nicht nur deshalb eine absolute Empfehlung, sondern genial um neue Autoren kennen zu lernen.

Als ich entdeckt habe, dass eine neue Anthologie von George R. R. Martin und Gardner Dozois erscheint, habe ich mir den Inhalt einmal näher angeschaut. Die erste auf deutsch erschienene Kurzgeschichtensammlung der beiden steht bei mir bisher noch ungelesen im Regal. Das Thema Bösewichte hat mich sofort angesprochen und so habe ich „Der Bruder des Königs“ als Rezensionsexemplar beim Bloggerportal angefragt. Der Penhaligon Verlag hat mir das Buch freundlicherweise zur Verfügung gestelt, herzlichen Dank dafür!

Schon das Vorwort, geschrieben von George R. R. Martin, hat mein Herz höher schlagen lassen. Er hat genau die Halunken aufgezählt, die auch mein Herz gestohlen haben und er hat mir ein zustimmendes „Genau!“ entlockt, als er einen Star Wars Vergleich angebracht hat.

„Gibt es irgendwen, der Luke Skywalker tatsächlicher cooler findet als Han Solo?“ (S. 11)

Bereits hier war ich ein bisschen verliebt in die Idee dieser Anthologie und war deshalb auch sehr gespannt darauf, was mich erwarten wird. Es ist eine bunte Mischung aus mir bekannten und unbekannten Autoren. Von Joe Abercrombie habe ich bereits gehört aber noch nichts gelesen. Gillian Flynns „Gone Girl“ habe ich geliebt und war deshalb gespannt darauf, was für eine Geschichte sie in dieser Anthologie präsentiert hat. Von Patrick Rothfuss habe ich bereits zwei Bücher gelesen und war sehr gespannt auf die Geschichte rund um Bast und auch Neil Gaiman hat mich sehr interessiert. Und dann waren da Autoren, die mir völlig unbekannt waren. Ich habe teilweise noch nie etwas von ihnen gehört und erstaunlicherweise haben mir meist diese Autoren besonders gefallen.

Die Geschichte von Joe Abercrombie „Harte Zeiten allerorten“ fand ich genial. Sie hat die Reise eines Päckchens mit unbekanntem Inhalt erzählt. Von einem Dieb, zum nächsten und so weiter. Der Schreibstil hat mir super gefallen und das Tempo in dieser Kurzgeschichte war genial. Über die Welt, in der ich mich dort befunden habe, hätte ich wirklich sehr gerne mehr erfahren. Ein absolutes Highlight in dieser Anthologie. Der Autor ist auf meiner „Must read“-Liste eindeutig nach oben geschossen.

„Manchmal hatte es den Anschein, als würde niemand in Spiani wirklich etwas leisten. Vielmehr schienen alle nur darauf aus zu sein, jemand anderen übers Ohr zu hauen.“ (S. 31)

Auch Matthew Hughes mit der Kurzgeschichte „Das Wirtshaus der sieben Segen“ hat mich positiv überrascht. Man begleitet den vom Pech verfolgten Dieb Raffalon, der ungewollt in ein sehr gefährliches Abenteuer rutscht. Hier hat mir vor allem die Idee gut gefallen und auch der Schreibstil war toll. Raffalon war mir von Anfang an sympathisch und obwohl er eigentlich der „Bösewicht“ der Geschichte ist, so gibt es doch noch jemanden, der noch böser ist und er dann doch wieder der Held geworden ist, obwohl er eben nicht der typische Mann dafür ist.

Hervorheben möchte ich auch die Kurzgeschichte von Scott Lynch: „Ein Jahr und ein Tag in Theradane„. Diese Gangster-Squad, die hier durch einen betrunkenen Zwischenfall wieder zusammen kommt, um etwas zu stehlen hat schon nach wenigen Seiten etwas gestohlen: mein Herz. Jeder der Charaktere ist etwas einzigartiges und das hat nicht nur mit ihrem Umgang untereinander zu tun. Auch der Weltenaufbau trägt seinen Teil dazu bei, dass man gerade diese Menschen bzw. Wesen ins Herz schließt. Der Humor in der Kurzgeschichte ist außerdem unbezahlbar. Es hat einfach Spaß gemacht zu erleben, wie die Gangster versuchen eine schier unlösbare Aufgabe zu erfüllen, um mit dem Leben davon zu kommen.

„Das Strafparlament ist drauf und dran, seine eigene Stadt zu zerstören, Boss […] Wie viel unsicherer kann es da schon werden? Und um ehrlich zu sein, finde ich, dass zweieinhalb gesetzestreue Jahre genug sind.“ (S. 357)

Doch es gibt nicht nur Geschichten, die mich in Begeisterungsstürme versetzt haben. Vor allem Gillian Flynn hat mich mit ihrer Geschichte „Die unheimlichen Geschehnisse in Carterhook-Manor“ eher enttäuscht. Ich hatte mir sehr viel mehr Spannung erwartet. Sie hat zwar ihre Psychospielchen, denen aus Gone Girl nicht unähnlich, mit eingebracht, allerdings habe ich mir etwas in der Art recht schnell denken können und es war dann eher langweilig und für mich nicht unbedingt glaubwürdig erzählt.

Die Geschichte „Mit Pauken und Trompeten“ von Bradley Denton war mir auch etwas zu langweilig und unspektakulär. Ich muss zugeben, dass ich vor allem die Fantasy / High Fantasy Kurzromane mochte und die, die in unserer Welt spielen, nicht so unterhaltsam gefunden habe. Das mag auf der einen Seite vielleicht mit meinen Erwartungen einher gegangen sein, dass ich dachte, es wären nur Fantasy Geschichten, auf der anderen Seite haben die Autoren einfach nicht diesen richtigen Bösewicht Faktor herausgearbeitet. Für mich waren das nette Geschichten, die ich aber sofort wieder vergessen habe und bei denen ich froh war, wenn endlich eine neue Kurzgeschichte begonnen hat. So war es auch bei der Erzählung von Bradley Denton. Ich fand die Handlung vom ersten Moment an eher unrealistisch und überzogen. Das war eindeutig nichts für mich.

Dafür haben es die letzten drei Geschichten absolut herausgehauen. „Jetzt im Kino“ von Connie Willis, „Der Blitzbaum“ von Patrick Rothfuss und, wie kann es anders sein, „Der Bruder des Königs“ von George R. R. Martin haben mir allesamt super gefallen.
Zwei High Fantasy Erzählungen und eine Sci-Fi Kurzgeschichte, die mich alle drei komplett überzeugen konnten. Unterschiedlicher könnte der Schreibstil und die Art, der Erzählungen wohl nicht sein und doch hat jede Geschichte mich für sich einnehmen können.

Es ist George R. R. Martin und Gardner Dozois gelungen, eine bunte Mischung an Autoren und Geschichten zusammen zu tragen, die sich alle zusammen wirklich wunderbar sehen lassen können. Ich hatten großen Spaß dabei, die Kurzgeschichten alle zu entdecken und auch die Autoren, die an dem Buch mitgewirkt haben. Die erste Anthologie der beiden, werde ich definitiv bald lesen.

Fazit

Ich bin wirklich froh, dass ich auf diese Anthologie gestoßen bin und so viele Autoren kennen lernen konnte. Auch wenn nicht jede Geschichte mich von sich überzeugen konnte, so war es doch eine tolle Erfahrung immer und immer wieder neue Charaktere kennen zu lernen und in die verschiedensten Welten eintauchen zu können. Ich habe die Geschichten alle einzeln bewertet und den Mittelwert daraus genommen, um meine Wertung so deutlich wie möglich zu machen. 3,5 Sterne spiegelt wirklich perfekt wider, wie gut mir diese Geschichtensammlung gefallen hat. Eine Empfehlung für alle, die ein Herz für Halunken und Schurken wie Han Solo haben.

Herzlichen Dank an den Penhaligon Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

 

 

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