Das Scherbenhaus | Susanne Kliem

das scherbenhaus_rezension

Inhalt

Seit Monaten wird Carla Brendel von einem Stalker terrorisiert. Sie bekommt grauenvolle Fotos zugeschickt, die menschliche Haut, Wunden und Messer zeigen. Als ihre Halbschwester Ellen aus Berlin anruft und Carla um Hilfe bittet zögert sie nicht lange und flüchtet aus ihrer idyllischen Heimatstadt in das anonyme Berlin. Ellens Wohnkomplex Safe Haven wirkt auf Carla wie ein schützender Kokon, doch dann verschwindet Ellen spurlos. Wenige Tage später wird ihre Leiche gefunden. Soll das alles ein Unfall gewesen sein oder wissen die Hausbewohner viel mehr als sie zugeben? Carla beschließt zu bleiben, um die Wahrheit herauszufinden und dabei wird ihr schnell klar, dass man im Safe Haven nicht zu viele Fragen stellen sollte…

Ein Haus voller Geheimnisse, die man ruhen lassen sollte, wenn man selbst nicht in Gefahr kommen will.

Als mich die Mail von carl’s books erreichte, welches mir dieses Buch angeboten hat, war ich zunächst etwas skeptisch und habe zur Leseprobe gegriffen. Ich lese sehr selten diese Ausschnitte, weil ich mich meistens unvoreingenommen auf ein Buch einlassen möchte. Doch bei „Das Scherbenhaus“ war ich mir nicht sicher, ob es mir gefallen wird oder nicht. Als ich die Leseprobe aber beendet hatte, wollte ich unbedingt wissen wie es weiter geht. Daher habe ich ein Rezensionsexemplar angefragt und dieses auch zugeschickt bekommen. Herzlichen Dank dafür!

Das Ausgangsszenario des Psychothrillers hat mir sehr gut gefallen. Eine Köchin, die ihr Leben eigentlich ganz gut im Griff hat. Carla hat zwar keinen Mann, dafür aber ein hübsches Häusschen und einen tollen Job. Ihr Schwager ist ihr Chef, ihre beste Freundin immer in der Nähe und sie könnte glücklich sein, wäre da nicht dieser Stalker mit seinen grauenvollen Fotos.
Es kommt Carla also ganz recht, dass ihre Halbschwester sie anruft und sie darum bittet nach Berlin zu kommen.
Hier sind für mich auch schon die ersten Probleme aufgetreten. Wieso ruft ihre Halbschwester Ellen an? Die beiden haben nie so wirklich etwas miteinander zu tun gehabt, sich eigentlich auch nicht gut verstanden. Ab und zu haben sie voneinander gehört aber mehr sporadisch, schließlich hat der gemeinsame Vater Ellen und ihre Mutter verlassen, um eine neue Familie zu gründen.
Dass sich Ellen deshalb aus heiterem Himmel dazu entschließt ausgerechnet Carla anzurufen stieß bei mir bereits auf Stirnrunzeln.
Weniger erstaunt bin ich darüber gewesen, dass Carla das Angebot angenommen hat. Die Angst vor dem Stalker ist zu übermächtig und aus diesem Grund kommt ihr eine Reihse in das anonyme Berlin gerade recht. Wie sollte er sie dort finden?
Doch in Berlin wartet eine neue Katastrophe auf sie. Kaum ist Carla angekommen verschwindet Ellen und wird wenig später tot aufgefunden. An einen Unfall glaubt Carla jedoch nicht und so beginnt sie Fragen zu stellen.

Jetzt ist es Zeit über das „Safe Haven“ zu sprechen. Der riesige und vor allem moderne Wohnkomplex, den Ellen entworfen und gebaut hat. Alles lässt sich via App per Handy, Laptop oder Tablet steuern. Das Haus scheint selbstständig zu denken, denn es kann unter anderem die Temperatur perfekt einstellen.
Mir persönlich war dieses moderne Haus von Anfang an suspekt. Wenn man einzig und allein einen Zugangscode für eine Wohnung braucht, um dort alles einstellen zu können was man will, dann wirkt das für mich nicht gerade sicher.
Gleichzeitig sind mir die Bewohner, egal wer, sofort unsympathisch gewesen. Ein älterer Herr, der immer freundlich, zuvorkommend und höflich ist aber anscheinend seine Finger in jedem Problemchen mit drin stecken hat.
Ein junges Mädchen, das eindeutig psychische Probleme hat. Deren Eltern, die sich gegenseitig kaum mehr ansehen können und ein Mann in Carlas Alter, der unter starken Stimmungsschwankungen zu leiden hat.
Da ist sogar Carla noch sympathisch erschienen, obwohl ich auch mit ihr nicht wirklich zurecht gekommen bin. Sie macht sich über alles mögliche Gedanken, führt aber ihre Überlegungen nie zu Ende. Sie tut so, als wäre sie misstrauisch und vorsichtig, doch durch ihre Handlungen ist davon nichts zu spüren. Carla begiebt sich freiwillig in Situationen, die sie in Gefahr bringen könnten. Vertraut sich völlig fremden Menschen an, obwohl sie zuvor gewarnt worden ist, vorsichtig zu sein. Manchmal hatte ich regelrecht das Gefühl, dass sie eine sehr große selbstzerstörerische Ader hat. Wie kann man einem Mann beinahe blind vertrauen, von dem man vermutet, dass er etwas mit dem Tod der eigenen Halbschwester zu tun hat? Das kann und will mir einfach nicht in den Kopf gehen.
Aus diesen Gründen ist mir der Zugang zu Carla auch sehr schwer gefallen. Von den anderen Charakteren erfährt man nur das, was die Protagonistin erfährt, dennoch habe ich mir selbst natürlich auch die ein oder anderen Gedanken gemacht und habe recht schnell für mich entschieden, wem ich vertrauen würde. Carla hingegen scheint überhaupt nicht bewusst zu werden, wer ein falsches Spiel treibt.

Doch nicht nur Carla und die anderen Charaktere haben mir Schwierigkeiten bereitet, sondern auch die Handlungsabläufe an sich. Dass Carla aus Angst vor dem Stalker die Einladung von Ellen annimmt ist völlig in Ordnung gewesen, aber alles, was in Berlin geschieht, hat mir nicht so wirklich gut gefallen. Viele Ereignisse wirkten aufgesetzt und nicht gut durchdacht. Was spielt die neue Liebesbeziehung von Carlas Schwager für eine Rolle? Wieso macht sie sich vorrangig darüber Gedanken, dass er seine verstorbene Frau vergessen könnte, anstatt sich klar zu werden, dass es im Safe Haven alles andere als sicher ist? Dann hat sie Sex mit einem Kerl, den sie kaum kennt und bei dem sie sich nicht einmal sicher ist, ob sie ihm vertrauen kann. Überhaupt diese Liebesgeschichte, die sich entwickelt, war für mich völlig fehl am Platz. Und letztlich gibt es viele kleinere Nebenhandlungen, die gar nicht richtig thematisiert werden.

Ich habe nicht einen Moment dieses Psychothriller Feeling gehabt. Das Buch hat mich überhaupt nicht in Spannung versetzt. Ich habe recht schnell herausgefunden was gespielt wird, auch wenn ich die Beweggründe nicht gekannt habe, wusste ich doch, wer dahinter steckt. Die Auflösung war in meinen Augen dann doch ein bisschen too much und hat zwar das Element des psychisch kranken Menschen erfüllt, was dahinter dann aber so richtig Thriller sein soll, ist mir noch nicht ganz klar. Das Ende hätte dann richtig gut werden können, ein Schluss a la Gone Girl, was mir super gefallen hätte. Dann wird jedoch zum Schluss das Ruder noch einmal herumgerissen und in meinen Augen hat das Ende überhaupt nicht zum Buch gepasst. Die Situation schien verfahren und dann wird alles doch noch einmal ganz anders. Es hätte ein geniales Ende werden können, das durch ein erzwungenes Happy End zerstört wird.

Fazit

Die Ausgangssituation hat mir etwas ganz anderes versprochen, als ich letztlich bekommen habe. Anstatt nach der Wahrheit um den Tod ihrer Halbschwester zu suchen, hat Carla lieber Sex mit einem Mann, von dem sie eigentlich nichts weiß. Obwohl sie in ihrem idyllischen Zuhause kaum nach draußen geht, weil sie viel zu viel Angst hat, ist Carla in Berlin unaufmerksam und vertrauensseelig. All das, macht Carla nicht gerade zu einer Sympathieträgerin. Gleichzeitig ist die Handlung in meinen Augen nicht geradlinig genug. Der Fokus wird auf viele Nebensächlichkeiten gelegt und die Auflösung an sich war viel zu naheliegend. Das Ende schließlich hätte unglaublich viel Potential gehabt, welches einfach nicht genutzt wurde. Daher bin ich leider sehr enttäuscht von dieser Geschichte.

Herzlichen Dank an carl’s books für das Rezensionsexemplar!

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3 Gedanken zu “Das Scherbenhaus | Susanne Kliem

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