Die Rückkehr | Rebecca West

die rückkehr

Titel: Die Rückkehr
Autor: Rebecca West
Format: Hardcover
Preis: 16,90 €
Seitenzahl: 160 Seiten
Verlag: dtv Verlag
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rezension_worum es geht

Während des ersten Weltkrieges kümmern sich die Frauen Jenny und Kitty Baldry um das Anwesen der Familie, denn der Herr des Hauses, Kittys Ehemann und Jennys Cousin Chris, ist in Frankreich an der Front. Doch schon bald muss er versehrt nach Hause zurückkehren. Seine Kriegsverletzung jedoch, ist nicht körperlich, sondern seelisch. Chris leidet an einem Granatenschock, einem Trauma, das ihn die letzten 15 Jahre vergessen lässt. Alles um ihn herum ist ihm fremd, sogar seine Ehefrau Kitty erkennt er nicht wieder. Gemeinsam mit einer alten Jugendliebe von Chris, versuchen Jenny und Kitty einen Weg zu finden, das Gedächtnis ihres geliebten Chris wieder herzustellen.

rezension_was ich davon halte

Ich bin durch Wilja van Book auf dieses Buch aufmerksam geworden und habe mir im dtv Verlag die Beschreibung durchgelesen. Sofort war mein Interesse geweckt und ich habe das Buch kurzerhand angefragt. Der Verlag hat mir dann ein Exemplar zur Rezension zugeschickt und dafür möchte ich mich recht herzlich bedanken.

Was mich an diesem Buch vor allem gereizt hat war, dass dies der einzige Roman ist, der im ersten Weltrkieg von einer Frau geschrieben und veröffentlicht wurde. Der Debütroman von Rebecca West kam erstmals 1918 heraus und nun, 2016 wurde er zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlicht.
Die Thematik hat mich sehr angesprochen und dass das Buch in der Zeit geschrieben wurde, in der es handelt, hat mich begeistert. Und es hat sich wirklich gelohnt die Geschichte zu lesen.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Jenny, der Cousine von Chris, erzählt. Die beiden sind gemeinsam aufgewachsen und während Chris geheiratet hat, ist Jenny immer an seiner Seite geblieben. Sie ist recht bodenständig, liebt ihren Cousin wie einen Bruder und versucht während seiner Abwesenheit Kitty zu beruhigen und zu beschäftigen. Bereits hier ist eine leicht unterkühlte Stimmung zwischen den Frauen zu spüren, die Rebecca West durch wunderbare Beschreibungen und Vergleiche akzentuiert. Allein Chris, scheint dem Anwesen Leben einzuhauchen und ohne ihn können die beiden Frauen eigentlich nichts miteinander anfangen. Trotzdem stützt Jenny die Frau ihres Cousins, auch wenn ich manchmal dachte, dass sie es überhaupt nicht verdient hat.

Die Nachricht der Verletzung von Chris im Krieg, erhalten sie von einer Frau, die beide noch nie gesehen haben. Margaret Grey. Sie ist die Jugendliebe von Chris, die einen Brief von ihm bekommen hat, dass er im Krankenhaus liegt und sich wünscht sie zu sehen. Erst hier wird klar, was es mit der Verletzung von Chris auf sich hat und als ein Vertrauter der Familie ihnen ebenfalls Bericht erstattet, können sie sich sicher sein: ihr geliebter Chris hat sein Gedächtnis verloren.
Wie im Buch damit umgegangen wird und was die drei Frauen und Chris tun, um ihn zurück ins Jetzt zu holen, müsst ihr natürlich selbst lesen. Ich möchte zur weiteren Handlung gar nichts mehr sagen.

Die Art, wie Rebecca West mit der Posttraumatischen Belastungsstörung von Chris umgeht, finde ich wirklich unheimlich gelungen. Man erfährt nicht, wie er sich fühlt, wie es ihm damit geht und was in seinem Kopf wirklich vor geht und man erfährt es trotzdem. Jenny ist eine sehr gute Beobachterin und macht sich so ihre Gedanken. Die Autorin hat sich jedes Wort ganz genau überlegt, sie hat nichts dem Zufall überlassen und alles, was auf diesen 160 Seiten steht, hat eine so unglaubliche Bedeutung und ist so wunderschön, dass man dieses Buch niemals in einem Rutsch durchlesen kann. Man muss sich Zeit lassen, um all das zu verstehen. Um die wunderbaren Gedanken und Worte aufsaugen zu können und der Schönheit des Schreibstils in gebührender Weise seinen Respekt zu erweisen.
Dieses Buch hat mich für sich eingenommen und absolut begeistert. Ich weiß, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich es gelesen habe, weil ich sicher noch nicht alle wunderbaren Zitate entdeckt habe, die darin stecken.
Es steckt nicht nur unglaublich viel Liebe darin, sondern macht auch deutlich, wie der erste Weltkrieg in dieser kleinen Idylle in England, ganze Leben zerstören kann. Der Krieg ist allgegenwärtig, auch wenn man kilometerweit von der Front entfernt ist. Dieses Buch beweist, dass PTBS auf die eine oder andere Weise zum Ausdruck kommen kann und dass es heute noch ein absolut aktuelles Thema ist. So vielen Soldaten passiert Ähnliches, wie es Chris Baldry passiert ist und das macht „Die Rückkehr“ zu einem Buch, das zwar 1918 geschrieben und erschienen ist, aber noch heute nicht an Gültigkeit verloren hat.

Allerdings ist nicht nur der Krieg und seine Folgen für einen Soldaten Thema, sondern auch die Liebe, die die unterschiedlichsten Menschen füreinander empfinden können. Liebe für einen Cousin bzw. eine Cousine. Liebe für die Ehefrau und den Ehemann. Liebe für das, was eigentlich längst Vergangen ist.

rezension_fazit

Dieses Buch hat mich für sich eingenommen und begeistert. Dem Thema PTBS wurde sich auf eine ganz andere Ar und Weise genährt, was mir unglaublich gut gefallen hat. Der Schreibstil ist wunderschön, jedes Wort genau abgewägt und wohlgewählt. Rebecca West hat nichts dem Zufall überlassen und somit ein Werk geschaffen, das wohl niemals an Aktualität verlieren wird.

5-Sterne

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