Solitaire | Alice Oseman

solitaire

Titel: Solitaire
Autor: Alice Oseman
Format: Hardcover
Preis: 16,95 €
Seitenzahl: 368 Seiten
Verlag: dtv Verlag
Bei Amazon:
Gebundene Ausgabe: 16,95 €
Kindle Edition: 14,99 €

rezis

Tori Spring hat das Gefühl zwischen Erfolgsdruck, Zukunftsplänen, Weltschmerz und dem Teenagerdasein zu ertrinken. Sie ist gerade einmal 16 Jahre alt und weiß nicht wie sie die anscheinend beste Zeit ihres Lebens verbringen soll. Die Welt zeigt Tori Tag für Tag ihre Gleichgültigkeit und nichts scheint zu passieren.
Doch dann passiert doch etwas. Tori trifft auf Michael Holden, der eigentlich all das verkörpert, was sie hasst. Er trägt eine Hipster Brille und scheint vor Enthusiasmus und Neugier nur so zu sprühen. Doch trotz allem, ist sie irgendwie fasziniert von ihm. Und dann gibt es noch Solitaire, eine anonyme Schülergruppe, die Toris Schule in Atem hält. Anders als alle anderen, fragt sich das Mädchen was und wer wirklich hinter Solitaire steckt.

rezis

Ich habe das Buch eigentlich aus nur einem Grund gekauft: die Autorin Alice Oseman. Ich habe den lovelybooks livestream mit ihr angeschaut und wurde so erst richtig auf das Buch aufmerksam. Als ich es dann im Laden gesehen habe, musste ich es mitnehmen ohne so wirklich zu wissen, um was es darin eigentlich geht. Im nachhinein vielleicht eine gute Entscheidung, denn sonst hätte ich das Buch wahrscheinlich nie gelesen.

Alice Oseman hat in Victoria Spring ein junges Mädchen geschaffen, was mit sich, ihrem Leben und der Welt einfach nichts anzufangen weiß. Tori ist zynisch, sarkastisch und pessimistisch, sie kann nicht gut mit Menschen umgehen und möchte eigentlich nur in Ruhe gelassen werden.
Ihre Familie scheint ihr da sehr ähnlich zu sein, denn hier hat auch jeder mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Sowohl die Mutter, als auch der Vater bleiben völlig blass. Einzig Toris Bruder Charlie bekommt einige größere Auftritte. Er ist auch der Einzige, mit dem sich das Mädchen überhaupt richtig unterhält. Weder mit ihren sogenannten Freunden, noch mit dem Rest ihrer Familie, spricht sie freiwillig mehr als Höflichkeitsfloskeln.
Und genau das, hat mir große Schwierigkeiten bereitet. Schon ganz am Anfang habe ich mir überlegt, ob Tori nicht an Depressionen leidet und auch wenn dies im Buch nie zur Sprache kommt, bin ich mir doch sicher, dass sie depressiv ist. Ihre Gedanken sind sehr düster, sie hat kaum die Kraft überhaupt irgendetwas zu tun und ich hatte das Gefühl, dass es niemandem in ihrem näheren Umfeld auch nur ansatzweise aufzufallen scheint.

Als Michael Holden auftaucht verändert sich in Tori jedoch geringfügig etwas. Sie beginnt über ihr bisheriges Leben nachzudenken und versucht etwas zu ändern. Sie tut Dinge, die sie eigentlich nie tun würde und beschäftigt sich genauer mit ihrem Verhalten und scheint bemüht, sich ins Positive zu verändern.
Dass das nicht so einfach ist, merkt sie recht schnell und verfällt nach wenigen Versuchen wieder zurück in ihre alten Verhaltensmuster. Sie stößt Michael mehr als einmal vor den Kopf und ich verneige mich vor diesem Charakter, dass er so viel Durchhaltevermögen hat.
Der Junge, der so plötzlich in ihr Leben tritt, ist so ganz anders als alle anderen. Michael wirkt manchmal zerstreut, abwesend, etwas verrückt und doch sympathisch, enthusiastisch und neugierig. Er ist mein liebster Charakter in diesem Buch geworden, einfach, weil er sich nicht von der Außenwelt verbiegen lässt. Er ist nicht unfehlbar und vieles bleibt im Dunkeln, trotzdem hat mich seine Art von sich überzeugt.
Alice Oseman hat ihn und auch Tori wirklich toll vorgezeichnet und meine Fantasie hat die beiden zu zwei gegensätzlichen Polen gemacht.

Becky, die angeblich beste, Freundin von Tori ist für mich der Inbegriff des „normalen“ Teenagers. In der Art, natürlich nicht komplett aber sagen wir so ähnlich, ist meine Teenagerzeit abgelaufen. Ich hatte Spaß mit meinen Freunden, habe Bücher gelesen, mich über Fandoms ausgelassen und bin auf Partys gegangen. Es gab nicht so viel Drama, es gab nicht so viele Kerle und doch fand ich sie realitätsnäher, als Tori selbst.
Es gibt vielleicht viele Teenager, die Schwierigkeiten damit haben, sich selbst und ihren Platz in der Welt zu finden. Doch diese Art von Gedanken, welche Tori hat, hat doch nur ein geringer Prozentsatz.
Ein weiterer Punkt, der mich gestört hat.

Solitaire, die Schülerorganisation, ist auch etwas, das Tori in Atem hält. Die gesamte Schule scheint auf die Aktionen der Organisation anzuspringen, egal was diese Menschen, welche dahinter stecken, auch nur verlangen. Sie tun es. Zu Beginn scheinen es einfach nur Streiche zu sein, doch irgendwann wird es immer schlimmer. Brutaler. Kriminell. Niemand scheint es zu stören, niemandem scheint irgendetwas aufzufallen. Nur Tori will dem ganzen auf den Grund gehen und auch hier werden ihre Gedanken darauf gelenkt, was wichtig ist, was gut ist und was sie ändern muss.
Die Auflösung war mir schon nach der Hälfte des Buches klar, ich wusste sehr schnell wer dahinter steckt und daher war ich nicht im mindesten davon überrascht.

Im Großen und Ganzen war mir das Buch etwas zu vollgepackt mit Drama. Tori als depressiver Teenager, ihre Familie mit ihren eigenen Problemen, die Freundschaft zwischen Tori und Becky, Michael Holden mit all seinen Geheimnissen und dann auch noch Solitaire. Etwas viel, für die dicke des Buches.
Trotzdem hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen und auch die Anspielungen auf unterschiedliche Bücher fand ich wirklich toll. Meistens hat mir auch Toris Humor gefallen und doch war mir das Buch einfach zu vollgepackt.

fazit

Das Buch ist toll geschrieben, hat vielschichtige Charaktere und befasst sich mit sehr wichtigen Themen, mit denen man sich in der Teenagerzeit auseinandersetzt. Es ist mir insgesamt aber etwas zu viel Drama und Tori als Protagonistin war mir einfach zu pessimistisch. Da ich davon ausgehe, dass sie Depressiv ist, wirkt dies natürlich sehr authentisch, dennoch hätte dann das Umfeld von ihr, sehr viel schneller reagieren müssen. Auf mich hat sie nicht gewirkt, als würde man es ihr nicht anmerken, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.
Dennoch habe ich das Buch recht schnell durchgelesen und hatte meinen Spaß damit. Daher 3 / 5 Sterne.

3-Sterne

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4 Gedanken zu “Solitaire | Alice Oseman

  1. buchstabentraeumerin schreibt:

    Liebe Anna,
    ich weiß ja nicht, wieso, aber ich liebe dieses Buch, obwohl ich es noch nicht gelesen habe. Ich finde das Cover einfach so ansprechend :-) Das ist eine tolle Rezension und obwohl du viele Kritikpunkte hast, hat sie mich motiviert, es nun endlich mal zu bestellen. Zeit, mir eine eigene Meinung zu bilden ;-) Danke hierfür!
    Liebe Grüße,
    Anna

    Gefällt 1 Person

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