Allerliebste Schwester | Wiebke Lorenz

Allerliebste SchwesterTitel: Allerliebste Schwester
Autor: Wiebke Lorenz
Format: Gebundene Ausgabe
Preis: 16,95 €
Seitenzahl: 237
Verlag: Karl Blessing Verlag
Bei Amazon:
Kindle Edition: 7,99 €
Gebundene Ausgabe: 16,95 €
Taschenbuch: 8,99 €

rezis

Evas Leben wird von einer Frage bestimmt: Was ist in der Nacht passiert, als ihre Zwillingsschwester Marlene starb? Was ist damals geschehen, als sie den Anruf ihrer Schwester ignoriert hat? Hätte sie ihrer Schwester vielleicht helfen können? Hätte sie ihr erklärt, warum für Marlene ihr Leben keinen Sinn mehr gemacht hat?
Eva wird von unglaublichen Schuldgefühlen geplagt, die so weit gehen, dass sie versucht Marlenes Platz einzunehmen. Sie geht sogar so weit und heiratet Tobias, den Ehemann ihrer verstorbenen Schwester.

rezisIch wollte nur einmal schnell in das Buch reinlesen und schwups, war es schon zu Ende. Und trotzdem weiß ich gar nicht so richtig, wieso ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen habe.

Die Geschichte beginnt bereits mit einem kleinen Schocker. Eva hat vor zwei Monaten eine Totgeburt erlitten und fühlt sich seither unvollständig, allein, verlassen und unnütz. Ihr Mann kümmert sich recht oberflächlich um sie und doch dringt er nicht durch ihre Schutzmauer, die sie um sich aufgebaut hat. Gleichzeitig macht Tobias auch nicht unbedingt den Eindruck, als würde er wirklich wissen wollen, wie seine Frau das traumatische Erlebnis verarbeitet.
Als Leser hat man das Gefühl, er hätte den Verlust seines Kindes sehr schnell überwunden.
Doch nicht nur dieser Verlust nagt an Eva. Seit dem Tod ihres Kindes setzt sie sich vermehrt mit dem Selbstmord ihrer Zwillingsschwester auseinander.
Was ist damals wirklich passiert? Wieso hat Marlene sich umgebracht? Warum hat sie Eva allein gelassen?
All diese Fragen spuken in den Gedanken von ihr herum. Tobias versucht all das zu vergessen und zu verdrängen. Es werden keinerlei Gespräche geführt und eine Therapie scheint in weiter Ferne zu liegen.
Hier wird vor allem das Bild deutlich, dass Tobias, der aus gutem Hause kommt, sich viel zu sehr darum sorgt, was andere Menschen sagen und denken könnten.
Dass eine Therapie vor allem für seine Frau hilfreich gewesen wäre, scheint ihm völlig unwichtig zu sein.

Für Eva ist ihre Ehe nur noch ein Scheiterhaufen. Nie hat sie sich wirklich wohl in ihrer Rolle als Ehefrau von Tobias gefühlt. Es war für sie mehr eine Art Pflicht aus den Schuldgefühlen heraus, als dass sie ihn wirklich geliebt hätte. Es war einfach gemeinsam mit dem Ehemann ihrer verstorbenen Schwester zu Trauern, die Verzweiflung zu spüren und einander Halt zu geben. Doch eine wirklich glückliche Ehe wurde nie daraus.
Immer weiter driftet Eva ab. Stürzt sich in ihre dunklen Gedanken und es wird einem erschreckend bewusst wie wichtig es ist, nach solchen Erlebnissen Menschen zu haben, mit denen man reden kann.
Sich zu öffnen und Probleme gemeinsam zu lösen. Vor allem für Eva wäre es schon nach dem Tod ihrer Schwester wichtig gewesen, sich an jemanden zu wenden. Mit jemandem zu sprechen und nicht alles in sich hineinzufressen.

Nach und nach werden immer mehr Erinnerungen wach und es wird immer deutlicher wie schlimm die Schuldgefühle von Eva sind. Als jemanden, der weder eine Schwester noch ein Kind verloren hat, ist es sehr schwer nachzuvollziehen wie grauenvoll und schmerzhaft diese Verluste sind. Doch Wiebke Lorenz bringt die Gefühle, Gedanken und Schuldgefühle der Protagonistin wunderbar aufs Papier. Die Verzweiflung von Eva wurde sehr glaubhaft dargestellt und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es Menschen gibt, die genau so wie Eva in die Verzweiflung und Hilflosigkeit getrieben werden.

Trotzdem habe ich mir etwas ganz anderes vorgestellt. Viel mehr Spannung, mehr Rätselraten, krasse Wendungen und große Schocker. Doch all das ist ausgeblieben. Ich habe Seite um Seite umgeblättert, um endlich die Spannung und den Reiz der Geschichte zu finden, doch mehr als Schuldgefühle und Verzweiflung seitens Eva habe ich nicht gefunden. Es ist gut geschrieben und in jedem Fall unterhaltsam aber die Spannung und das Rätseln war kaum bis gar nicht vorhanden. Natürlich hat man sich als Leser gefragt, was in jener Nacht wirklich geschehen ist. Ob vielleicht Eva selbst etwas verdrängt, das die Lösung sein könnte. Doch die Autorin wirft einem kaum Häppchen hin, die zu Vermutungen einladen. Allein der Epilog hat mir eine Gänsehaut bereitet und ist unglaublich gut gemacht gewesen, auch wenn mich die Auflösung nicht wirklich überrascht hat, denn genau mit einem solchen Ausgang hatte ich gerechnet.

fazitEin gut geschriebenes Buch, das realistisch die Verzweiflung, Trauer und unglaublich verzehrende Schuldgefühle einer Frau dargestellt hat. Doch meine Erwartungen wurden einfach nicht erfüllt, denn die gewünschte Spannung und das Rätseln um den Ausgang der Geschichte blieb aus. Nur das Ende konnte mich noch fesseln. Daher leider nur 3 / 5 Sterne

3-Sterne

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