Nox – Unten | Yves Grevet

Nox - Unten

Titel: Nox – Unten
Autor: Yves Grevet
Format: Taschenbuch
Preis: 14,95 €
Seitenzahl: 320
Verlag: dtv
Bei Amazon:
Taschenbuch: 14,95 €
Kindle Edition: 12,99 €

rezis

Lucen, Ludmilla und Gerges leben in einer Welt, die durch eine dichte Wolke aus Schmutz, Nox, getrennt ist.
In der Unterstadt leben Gerges und Lucen, in der Oberstadt Ludmilla.
Die Gesellschaften der beiden Städte unterscheiden sich in allem, was es nur gibt. Die Menschen in der Unterstadt sind Arm, haben eine sehr niedrige Lebenserwartung und kaum Energie zur Verfügung. Das, was sie für Licht und ähnliches brauchen, müssen sie durch reine Muskelkraft selbst erzeugen. Gleichzeitig Leben sie in Dunkelheit. Die Wolke aus Schmutz verhindert es, dass sie die Sonne sehen.
Die Menschen in der Oberstadt haben allen Luxus, den es gibt. Energie, Geld, Sonne. Sie leben in reinem Wohlstand, können das Licht anschalten wann immer sie wollen. Sie müssen nicht sparsam mit ihrer Energie umgehen und erst recht keine selbst erzeugen.
Mitten in diesen Ungerechtigkeiten leben die drei Hauptprotagonisten, die sich bald entscheiden müssen auf welcher Seite sie stehen.
Wollen sie diese Ungerechtigkeit beenden und sich für eine Wiedervereinigung einsetzen? Oder möchten sie es lieber so lassen, wie es ist?

rezisZunächst muss ich sagen, hat mich die Geschichte sehr angesprochen. Diese Stadt, die in Ober- und Unterstadt geteilt ist, in der die Einen reich und die anderen arm sind. Da sind Auseinandersetzungen sicher an der Tagesordnung und solche Geschichten finde ich besonders interessant.
Doch der Anfang und vor allem der Einstieg in die Handlung ist mir recht schwer gefallen. Man liest aus den Perspektiven von Lucen, Gerges und Ludmilla, die zunächst alle drei ihre Situation erklären.

Lucen lebt gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester in einem kleinen Häuschen der Unterstadt. Sein Vater ist Restaurateur und verhält sich zu allem neutral. Er mischt sich in keinerlei Streitereien ein und versucht ein braver Bürger zu sein. In der Unterstadt ist es üblich, dass die Söhne die Berufe ihrer Väter übernehmen, um die Tradition zu wahren. Außerdem müssen die Jugendlichen recht früh heiraten. Spätestens mit 18 Jahren sollte die ausgewählte Frau schwanger sein. Das heißt, es müssen auch sogenannte Tests durchgeführt werden, um zu erkennen, ob die beiden Kinder zeugen können. Was so viel heißt wie, bevor sie heiraten können, muss das Mädchen schwanger sein um sicherzustellen, dass sie auch Nachkommen haben können.

Da die Lebenserwartung in der Unterstadt sehr niedrig ist, lasse ich mir eine frühe Heirat gefallen. Dass solche „Tests“ durchgeführt werden müssen, um Nachkommen zu garantieren, finde ich irgendwie sehr hart. In der Unterstadt ist es auch üblich, dass eine Heirat arrangiert wird. Schließlich möchte man für seine Tochter oder seinen Sohn eine gute Partie auswählen. Am besten jemanden, der etwas weiter oben in der Schicht lebt und somit Wohlhabender ist. Ich fühle mich sofort in alte Zeiten zurück versetzt.
Gleichzeitig ist es auch erschreckend, dass Mädchen ab 14 Jahren als heiratsfähig gelten. Das bedeutet, ab diesem Alter können Tests durchgeführt werden.
Welches 14jährige Mädchen, selbst in solchen Zeiten, ist tatsächlich schon bereit dazu Sex zu haben?

Lucen hat eine Freundin, allerdings möchte Firmie noch warten. Sie möchte noch keinen sogenannten Test durchführen und das macht nicht nur Lucen selbst nervös, sondern auch seine Eltern. Sollte Firmie sich nicht dafür entscheiden, bald zuzustimmen, wird er anderweitig verheiratet. Denn er muss heiraten, um bald ein eigenes Leben führen zu können.

Bei Gerges sieht es anders aus. Sein Vater ist bei der Polizei, was bedeutet, dass auch er selbst eines Tages Polizist wird. Gleichzeitig hat sein Vater eine hohe Rangstellung bei der Miliz, welche nachts durch die Straßen zieht und dort für Ordnung sorgen soll. Dass sie tatsächlich gar nicht so harmlos sind, wie sein Vater tut, wird er noch selbst erkennen müssen.
Für Gerges ist klar, dass er einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte. Er will genauso angesehen und respektiert werden. Er möchte auch für die Sache seines Vaters eintreten. Denn dieser möchte um jeden Preis eine Wiedervereinigung verhindern.
Schon bei diesen Gedanken des Jungen habe ich mich gewundert. Wieso sollte jemand, der in der Unterstadt lebt, gegen eine Wiedervereinigung sein? Was haben diese Menschen dort unten davon? Sie könnten durch eine Wiedervereinigung doch viel mehr Vorteile für sich herausschlagen, als die Menschen aus der Oberstadt. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird jedoch klarer, welche Beweggründe dahinter stecken.

Gerges Zukunft steht eigentlich schon fest. Seine Eltern haben ein Mädchen für ihn ausgewählt, die er sogar ganz nett findet. Die ersten Tests wird er, sobald sie 14 ist, durchführen können und irgendwie freut er sich schon darauf. Dass seine Freunde nicht sehr begeistert darüber sind, dass er sich der Miliz anschließen wird, scheint ihn sehr wenig zu interessieren.
Lucen möchte schließlich neutral bleiben. Und Jea und Maurce sind eher radikaler eingestellt. Sie möchten für eine Wiedervereinigung kämpfen und stehen auch dazu.
Aber Gerges glaubt fest daran, dass ihre Freundschaft bestehen kann, egal welche Einstellungen sie haben.
Für sein Alter scheint er recht naiv zu sein. Die Freunde stehen sich eher misstrauisch gegenüber, schließlich gehören sie verfeindeten Lagern an. Dass die Freundschaft außerhalb der Schule bestehen kann ist eher unwahrscheinlich und Gerges als auch Lucen scheinen dies zu vergessen. Nur weil sie von Kindesbeinen an befreundet sind, bedeutet dies nicht, dass diese Freundschaft für immer bestehen bleiben kann.

Ludmilla ist das genaue Gegenteil der Jungen. Sie ist reich und muss sich um nichts sorgen machen. Ihre Mutter ist früh gestorben, ihr Vater ständig unterwegs. Nur ihr Kindermädchen Martha kümmert sich um sie. Doch die enge Bindung zu der Frau aus der Unterstadt muss geheim bleiben, denn ihr Vater würde dies nicht dulden. Mit strenger Hand erzieht er seine Tochter und möchte nicht, dass ihre Mutter durch ein Kindermädchen ersetzt wird.
Als er Martha jedoch aus unerklärlichen Gründen rausschmeißt möchte Ludmilla herausfinden wieso und wo ihr Kindermädchen nun ist.
Dadurch gelangt sie in Kontakt mit der Unterstadt und erfährt viel mehr als ihr Vater ihr jemals anvertraut hat. Ihr wird klar, dass sie etwas tun möchte, um Martha wieder zu sehen und ihr zu helfen.
Das Mädchen ist mir von den drei Hauptprotagonisten am sympathischsten. Sie strahlt so eine Entschlossenheit aus und geht viele Risiken ein, um herauszufinden was mit ihrem Kindermädchen passiert ist. Sie möchte sich aufjedenfall für die Menschen aus der Unterstadt einsetzen und für eine Wiedervereinigung kämpfen. Doch hierfür muss sie vielleicht ihren Vater hintergehen.

Diese einzelnen Geschichten verstricken sich im Laufe des Buches immer mehr ineinander. Es gibt viel Gewalt, erschreckende Ereignisse und unglaubliche Missverständnisse. Die Leben der Protagonisten werden komplett auf den Kopf gestellt. Wenn ich zu Beginn Schwierigkeiten hatte den dreien wirklich zu folgen und mich in sie hineinzuversetzen, so ist es mir am Ende umso besser gelungen. Jeder der drei hat mit seinem eigenen Schicksal zu kämpfen und es ist für alle drei in gewisser Weise grausam.

Überhaupt die verschiedenen Lebensweisen in dieser Welt haben mich erschreckt und wie realistisch der Autor dies dargestellt hat, hat mir sehr gut gefallen. Es ist schrecklich und grausam aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es so werden könnte.

Einzig der Schreibstil hat mich etwas irritiert, weil es ab und an zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt. Außerdem decken sich die Sichtweisen nicht. Das heißt, Lucen erzählt etwas, was ihm geschehen ist und einige Kapitel später ist Gerges erst dort angekommen. Diese Verzögerungen haben mich teilweise aus dem Takt gebracht und meinen Lesefluss etwas gestört.

fazitIm Großen und Ganzen hat mir das Buch doch gut gefallen. Ich hatte am Anfang ziemlich Angst, dass es mir zu kindisch und langweilig wird. Doch von Seite zu Seite ist es spannender und verstrickter geworden. Ich hatte großen Spaß dabei, die drei durch ihr Leben zu begleiten und die Verstrickungen und Schicksale mit zu verfolgen. Daher bin ich auch sehr gespannt darauf, wie es weiter gehen wird und was noch alles geschehen wird. 4 / 5 Sterne für diesen tollen Auftakt.

4-Sterne

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